Verhältnis von Kirche und Staat

Das Berliner Institut für vergleichende Staat-Kirche-Forschung besteht seit 25 Jahren

Von Tilman Asmus Fischer

1991 begegneten sich auf einer Tagung in Berlin zwei Männer, die sich zuvor lediglich als Autorennamen kannten: Horst Dähn, ein Westdeutscher, vom kurz vor der Auflösung stehenden Arbeitsbereich Geschichte und Politik der DDR an der Universität Mannheim und der Ostdeutsche Joachim Heise, von 1979 bis zu deren Abwicklung 1990 Mitarbeiter an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED. Beide verband das gemeinsame Interesse an der Kirchenpolitik der SED.

DDR-Staatsratsvorsitzender Erich Honecker (r.) begrüßt Bischof D. Dr. Albrecht Schönherr (l.) bei einem Empfang für den Vorstand der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR am 6. März 1978.
(Foto: Bundesarchiv, Bild 183-T0306-0027 / Koard, Peter / CC-BY-SA 3.0)

Rasch entwickelte sich aus dieser Ost-West-Begegnung nicht nur eine persönliche Freundschaft, sondern zudem die Idee, eine Institution ins Leben zu rufen, die das gemeinsame Forschungsfeld bearbeiten sollte: 1993 gründeten sie die Gesellschaft zur Förderung vergleichender Staat-Kirche-Forschung als Trägerin des Berliner Instituts für vergleichende Staat-Kirche-Forschung. Heute steht ihr der frühere provinzsächsische Landesbischof Axel Noack vor. Das Institut befasst sich seither nicht nur mit der staatlichen Kirchenpolitik und den Kirchen in der DDR, sondern vergleichend auch mit entsprechenden Entwicklungen in anderen sozialistischen Staaten und darüber hinaus mit grundsätzlichen Fragen des Verhältnisses von Staat und Kirche.

In den zurückliegenden 25 Jahren haben der 2012 verstorbene Horst Dähn und Joachim Heise gemeinsam mit ihren Unterstützern und Mitstreitern vielfältige wissenschaftliche Aktivitäten entfaltet und für die kulturelle Breitenarbeit fruchtbar gemacht: Neben Zeitzeugengesprächen, Vortragsveranstaltungen und Kolloquien traten bald unterschiedliche Publikationen und schließlich mehrere selbstkuratierte Ausstellungen, etwa zum Thema „Atheismus in der DDR“. Zudem berät das Institut Wissenschaftler bei ihren Forschungsvorhaben und stellt zu deren Unterstützung auch seine Fachbibliothek zur Verfügung. Seit diesem Jahr steht dem ausschließlich auf Spendenbasis arbeitenden Institut die Ursula-und-Horst-Dähn-Stiftung als Förderin zur Seite, die von der Ehefrau des verstorbenen Gründers eingerichtet wurde.

Dass sich das Institut in einem Vierteljahrhundert so entwickeln und etablieren konnte, war keine Selbstverständlichkeit. „Viele dachten sich: Bei den Leuten, die hinter dem Institut stehen, kann das nur was Übles sein“, erinnert sich Joachim Heise. Denn neben ihm, der für die SED-Akademie arbeitete, hatten auch viele seiner Mitstreiter eine Vergangenheit, die sie nicht zwingend für eine Aufarbeitung der DDR-Geschichte zu prädestinieren schien: Horst Dohle, mit dem Heise gemeinsam eine Quellenedition zur Kirchenpolitik der SED herausgab, war im DDR-Staatssekretariat für Kirchenfragen tätig. Und Generalsuperintendent Günter Krusche, Gründungsvorsitzender der Trägergesellschaft, wurde 1992 wegen bekannt gewordener Verstrickungen in die Arbeit der Staatssicherheit in den Vorruhestand versetzt.

Mit dieser schweren Hypothek nahm das Institut seine Arbeit auf: „SED-Altkader und Christenfunktionäre kontrollieren die Vergangenheitsbewältigung der DDR-Kirche“ titelte etwa der „Spiegel“ 1994. Im Rückblick hat sich hingegen zunehmend die Überzeugung durchgesetzt, dass es dem Institut weniger um Kontrolle als vielmehr um Aufarbeitung der – eigenen – Vergangenheit ging. Er selbst habe sich der Geschichte gestellt, sagt Heise heute exemplarisch über sich: „Dabei habe ich mich vom ideologischen Ballast der DDR befreit.“ Und die Arbeit geht weiter: Gegenwärtig ist ein Sammelband über Freikirchen in der DDR in Arbeit und für 2019 sind zwei Kolloquien zum Jahr 1989 in der DDR und in Osteuropa geplant.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 49/2018.

Weitere Informationen über das BISKF: http://www.staat-kirche-forschung.de

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Schisma könnte sich ausweiten

Die Russische Orthodoxe Kirche und das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel mit Sitz in Istanbul, dem in der Orthodoxie der Ehrenvorsitz zusteht, streiten sich um die Bildung einer unabhängigen orthodoxen Kirche in der Ukraine. Ein Gespräch dazu mit dem Ostkirchenkundler Reinhard Flogaus.

Herr Flogaus, wie konnte es zum Schisma zwischen den beiden Patriarchaten kommen?

Dr. Reinhard Flogaus vertritt als Privatdozent für Kirchengeschichte das Fach Konfessionskunde an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist Mitglied der Theologischen Kommission der EKD für den Dialog mit dem Ökumenischen Patriarchat.

Nach der Ankündigung des Ökumenischen Patriarchats, Schritte zur Schaffung einer selbständigen orthodoxen Kirche in der Ukraine einzuleiten, beschloss die ROK am 14. September, die namentliche Nennung des Ökumenischen Patriarchen bei den gottesdienstlichen Fürbitten zu unterlassen, und untersagte bis auf weiteres die Konzelebration von russischen Geistlichen mit Geistlichen des Ökumenischen Patriarchats. Außerdem hat die ROK ihren Rückzug aus allen interorthodoxen und ökumenischen Gremien und Kommissionen erklärt, in denen Konstantinopel den Vorsitz oder stellvertretenden Vorsitz hat. Dies betrifft z.B. die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland, aber auch die theologischen Dialoge der Orthodoxen Kirchen mit dem Lutherischen Weltbund, den Katholiken oder den Anglikanern.
Am 11. Oktober hat dann das Ökumenische Patriarchat mit den beiden bislang unkanonischen, nach der Wende in der Ukraine entstandenen Kirchen, d.h. mit der „Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats“ und der „Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche“, Kirchengemeinschaft hergestellt. Die ROK, zu der die einzige bislang anerkannte „Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats“ gehört, hat daraufhin am 15. Oktober die Kirchengemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat aufgekündigt und den russischen Gläubigen den Sakramentsempfang in dessen Kirchen bei Strafe untersagt.

Wieso eskaliert die Situation gerade jetzt?

Der Wunsch nach kirchlicher Unabhängigkeit von Moskau hat in der Ukraine durch die russische Annexion der Krim und die von Russland unterstützte Abspaltung der Ostukraine deutlich zugenommen. Den Ausschlag gegeben haben der ukrainische Präsident und das ukrainische Parlament, welche im April 2018 den Ökumenischen Patriarchen gebeten haben, der Orthodoxie in der Ukraine die Autokephalie zu verleihen – also die organisatorische Selbständigkeit bei gleichzeitiger dogmatisch-kanonischer Einheit mit den anderen orthodoxen Kirchen Dieser Bitte haben sich inzwischen alle Bischöfe der beiden bisher unkanonischen Kirchen, aber auch einzelne Bischöfe der Kirche des Moskauer Patriarchats angeschlossen. Nach dem Scheitern der Versuche, mit Moskau zu einer einvernehmlichen Lösung für die Ukraine zu kommen, hat das Ökumenische Patriarchat sich nun zu einer unilateralen Verleihung der Autokephalie an die Orthodoxen in der Ukraine entschlossen und damit Moskau brüskiert.

Was sind die Hintergründe dieses Streites?

Zum einen beansprucht die ROK auch nach dem Zerfall der Sowjetunion für praktisch deren gesamtes Territorium – abgesehen von Georgien – weiterhin die alleinige kirchliche Zuständigkeit. Dies trifft ganz besonders auf die Ukraine zu, war doch Kiew die Wiege der russischen Orthodoxie und für mehrere Jahrhunderte auch das kirchliche Zentrum des russischen Reiches. Andererseits beansprucht der Ökumenische Patriarch als orthodoxer Ersthierarch die Zuständigkeit für die weltweite orthodoxe Diaspora und für die Verleihung der Autokephalie. Im Falle der Ukraine beruft sich Konstantinopel zudem darauf, dass es selbst bis 1686 kirchlich für die Metropolie Kiew zuständig war. Die im Gefolge der russischen Eroberung der Ukraine erfolgte Übertragung dieser Zuständigkeit an Moskau sei mit der wiedererlangten staatlichen Unabhängigkeit der Ukraine hinfällig. Deshalb habe das Ökumenische Patriarchat auch schon 1924 der Polnischen Orthodoxen Kirche, die kirchlich ursprünglich ebenfalls zu Kiew gehörte, die Autokephalie verliehen, was Moskau dann erst 1949 durch eine eigene Autokephalieerklärung anerkannt hat.

Wie wird es weitergehen?

Wenn der Plan des Ökumenischen Patriarchats aufgeht, wird es nach einer Vereinigungssynode tatsächlich zu einer selbständigen Ukrainischen Orthodoxen Kirche kommen, der dann wohl die Mehrheit der Orthodoxen angehören wird. Ich gehe aber davon aus, dass ein Teil der Gläubigen, insbesondere mit russischen Wurzeln, weiterhin dem Moskauer Patriarchat angehören will, so dass es statt derzeit drei künftig zwei orthodoxe Kirchen in der Ukraine geben wird.
Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass sich nach der Verleihung der Autokephalie das jetzige Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau auch auf andere orthodoxe Kirchen ausdehnen wird und es zu einer Spaltung der Orthodoxie in zwei Lager kommt, zwischen denen keine Kirchengemeinschaft mehr besteht. Die jüngsten Äußerungen des serbischen Patriarchen Irinej scheinen dies nahezulegen. Diese Gefahr erfüllt mich mit großer Sorge.

Die Fragen stellte Tilman Asmus Fischer.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 44/2018.

„Wir nutzen die Liturgie“

Bischof Clemens Pickel von Saratow, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz in Russland, über die praktische Seite der Neuevangelisation in Russland.

Von Tilman A. Fischer

Herr Bischof, Neuevangelisierung – was bedeutet das für die katholische Kirche in einem Land, das mehr und mehr die Orthodoxie für sich wiederentdeckt?

Neuevangelisierung hat etwas Anrüchiges an sich für Menschen in Russland. Dort lebt man in dem Verständnis, Russland sei immer orthodox gewesen – also schon eintausend Jahre. Dass da dieses Vakuum des Kommunismus war, wird zwar irgendwie registriert, aber im Grunde ist die Idee einer Neuevangelisierung, wie sie die katholische Kirche immer wieder will, den Leuten in Russland unverständlich.

Was meinen demgegenüber die Angehörigen der katholischen Diaspora selbst hierzu?

Die Katholiken, die im Kommunismus ausgehalten haben, sagen: Natürlich muss man neu anfangen! Die alten wolgadeutschen Großmütter, die den Glauben noch an die Enkel weitergegeben haben, waren vor 25 Jahren – als sich Russland öffnete – am Ende. Es war eine Sternstunde, dass die katholische Kirche ihnen noch zur Hilfe kommen konnte bevor der glimmende Docht ganz ausgelöscht war. Das waren einzelne Familien, die geheim noch gebetet haben. Sie verstanden und verstehen, dass die junge Generation jetzt ein Fundament braucht: Katechismus, Glaubenswissen. Es reicht heute nicht mehr aus, zu sagen, am Sonntag geht man in die Kirche. Da macht kein Jugendlicher mehr mit.

Wie konnte und kann ein Neuanfang gelingen?

Die Neuevangelisierung passiert praktisch durch Verkündigung – durch Katechese und Predigt. Natürlich nur für die Leute, die zur Kirche kommen. Aber: Menschen in Russland, die Gott suchen, kommen zur Liturgie, zur Eucharistie. Kirche ist für sie in der Hauptsache Liturgie. Das heißt, wir nutzen die Liturgie durch die in sie eingebettete Predigt zur Evangelisierung. Ich habe in meinem Bistum, so lange ich Bischof bin, allen Priestern immer wieder gesagt: „Bitte jeden Tag predigen, auch wenn nur kurz, aber eine kleine Predigt soll sein.“ Das ist unser Angebot: Den Leuten zu helfen, nicht nur zu beten und durch die Liturgie spirituell zu wachsen, sondern auch geistig durch eine sachliche und klare Predigt.

Gibt es darüber hinaus denn für Ihr Bistum so etwas wie einen „Masterplan“ für die Neuevangelisierung?

Ich habe keine riesigen Konzepte – was man sich in Deutschland immer wieder wünscht. Wenn uns ein Hilfswerk unterstützt, möchte es am liebsten wissen: Was bringt das? In drei Jahren, fünf Jahren? Wie wird es dann bei Ihnen aussehen? Wer wird das Projekt weiterfinanzieren? Gibt es Multiplikatoren? – So funktioniert das in Russland nicht. Einen Plan machen, ist das eine, die Realität ist das andere. Das kommt im religiösen, kirchlichen Bereich daher, dass über drei Generationen organisatorisch nichts da war. Die Leute wollen wirklich, glauben, beten, sind eifrig – kommen, wenn möglich, jeden Tag zur Kirche. Aber dann irgendwann nach zwei, drei Jahren oder fünf Jahren kommt bei einigen plötzlich ein Bruch und wir verlieren sie wieder – teils Menschen, die selbst Wortgottesdienste halten und in der Katechese mitdiskutieren konnten.

Wie müssen wir uns das unter diesen Bedingungen gewachsene Leben in Ihrem Bistum und seinen Gemeinden vorstellen?

Unsere Gemeinden sind ganz klein. Im gesamten Bistum haben wir 20 000 Katholiken und das Bistum ist viermal so groß wie Deutschland. Da kann man natürlich staunen, dass wir trotzdem 40 Priester haben – aber so mancher Priester fährt im Jahr 50 000 Kilometer mit dem Auto, um seine Leute zu besuchen. Dafür sind die Gemeinden aber lebendig: nicht im Sinne von überaktiv – heute dies, morgen das. Lebendig im Sinne davon, dass Leben und Lieben zusammengehören. Wenn jemand nicht zum Gottesdienst kommt, fällt das auf und man kümmert sich umeinander. Das ist gelebte Nächstenliebe – dafür brauchen wir nicht erst ein Caritas-Büro zu gründen.

Ist Ihr Motto also: Evangelisation durch gelebte Gemeinschaft statt Großveranstaltungen?

Wir organisieren schon auch Großveranstaltungen – vor allem für Jugendliche: Dekanatsjugendtage, Diözesanjugendtage, ein gesamtrussisches Jugendtreffen alle drei Jahre. Aber der Akzent liegt tatsächlich mehr auf dem alltäglichen Miteinander: natürlich Christ zu sein, nicht nach einem Lehrbuch. Evangelisierung funktioniert nicht dadurch, andere als Zielgruppe zu fokussieren, sondern dadurch, an sich selbst zu arbeiten. Wenn ich mir selbst Mühe gebe, ein guter Christ zu sein und ein besserer als noch gestern, helfe ich anderen viel mehr als mit Lehrbüchern und Programmen.

Wenn Sie doch an die Öffentlichkeit treten: Wie reagiert die orthodoxe Seite?

Wir sind in der Öffentlichkeit kaum gefragt – beziehungsweise sind wir nach russischem Verständnis ein Fremdkörper, werden oft als „römische“ Auslandskirche betrachtet. Das sind Assoziationen, die bei vielen Russen tief drinstecken – bis hin zu Äußerungen wie: „Wir sind Christen, Ihr seid katholisch.“

Wie stellt sich der Staat vor diesem Hintergrund in kirchenpolitischen Fragen?

Der russische Staat ist ein säkularer Staat und die orthodoxe Kirche eine – freilich die größte – unter mehreren Kirchen. Es gibt so manche Gesetze, die sehen bedrohlich aus. So ist es – ohne einen kirchlichen Dienstausweis – verboten, in ein Dorf zu fahren und in einer Privatwohnung Katechese zu halten. Vergleichbare Gesetze gibt es in letzter Zeit verstärkt. Aber insgesamt ist das nicht die russische Politik: Dort sind wir als katholische Kirche anerkannt, staatlich registriert und die diplomatischen Beziehungen zwischen Moskau und dem Vatikan bestehen auf bester Ebene. Wir sind als katholische Kirche nicht die Bösen, die Verdächtigen – naja, verdächtig für manche schon, aber wer wie ich in der DDR geboren wurde, der kennt das. Damit kann man leben.

Erschienen am 20. September 2018 in der Zeitung „Die Tagespost“ (www.die-tagespost.de).

Panzer gegen Reformen

Michal Reiman erinnerte an das Ende des Prager Frühlings

Von Tilman Asmus Fischer

„Und wenn die inneren und äußeren, dem Sozialismus feindlichen Kräfte die Entwicklung irgendeines sozialistischen Landes auf die Restauration der kapitalistischen Ordnung zu wenden versuchen, wenn eine Gefahr für den Sozialismus in diesem Land, eine Gefahr für die Sicherheit der gesamten sozialistischen Staatengemeinschaft entsteht, ist das nicht nur ein Problem des betreffenden Landes.“ – Mit diesen Worten versuchte der sowjetische Partei- und Staatschef Leonid Breschnew im November 1968 zu rechtfertigen, was am 21. August des Jahres geschehen war: der Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei (ČSSR) und die damit eingeleitete Zerschlagung der Reformbewegung unter Alexander Dubček, die einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ angestrebt hatte.

Einer der letzten Zeitzeugen ist der 1930 geborene Historiker und Politikwissenschaftler Michal Reiman. Am 21. August 2018 sprach er bei einer Gedenkveranstaltung in der Johanneskirche, Berlin-Schlachtensee, über seine Erinnerungen an die Zeit als Vertrauter des damaligen Parteichefs der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ): An Dubček erinnerte er als eine „für uns völlig unglaubliche Persönlichkeit“ – einen Menschen, der in Zeiten treuer Hörigkeit gegenüber dem Kurs Moskaus dadurch auffiel, „dass er offen seine Meinung sagte“. Für die KSČ habe er selbstbewusst in Anspruch genommen: „Wir sind eine politische Partei und müssen wissen, was wir wie und wann wollen.“

In diesem Sinne begannen die Reformkommunisten ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm umzusetzen, zu dem vor allem auch die Lockerung der Zensur gehörte. „Wir waren relativ frei“, blickt Reiman zurück, „es gab eine freie Intelligenz“ – zudem freie Kunstschaffende, eine lebendige Theaterszene. Umso herber traf die tschechoslowakische Gesellschaft die Ohnmacht der Besetzung im August 1968. Reiman rief die beklemmenden Bilder der Demonstranten wach, die in den Straßen Prags den Panzern gegenüberstanden: „Niemand weiß, ob die Soldaten beginnen, zu schieße.“

Was folgte, war die „bleierne Zeit“ der Normalisierung im Sinne der Sowjetunion. „Alles nahm seinen normalen Lauf“, konstatiert Reiman, „passende Personen wurden installiert“: Dubček musste zurücktreten – Reiman selbst erhielt Berufsverbot. Bisher hatte er an der Politischen Hoschschule der KSČ, Prag, Geschichte der Tschechoslowakei gelehrt. Nachdem Reiman durch ein Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung 1976 in die Bundesrepublik Deutschland gegangt war, wurde ihm 1978 die Staatsbürgerschaft der ČSSR aberkannt. Reiman bleibt als Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität in Berlin und engagiert sich in der exil-tschechischen Listy-Gruppe. 1995 bis 2010 kehrt er als Dozent nach Prag zurück – nun an die Karls-Universität.

Was bedeutet das Gedenk an den 21. August 1968 für uns heute? – Hierüber diskutierte Reiman unter anderem mit dem langjährigen SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen. Auch wenn die Sowjetunion, die 1968 einmarschierte, Geschichte ist, beobachtet Reiman die Entwicklungen in Russland und den Beziehungen zwischen der EU und Russland mit Sorgen und betonte die Notwendigkeit einer „friedlichen Ordnung in Europa“: Hierzu sei es nötig, Russland im „gemeinsamen europäischen Haus“ zu halten. Russland, so Weisskirchen, müsse sich hierzu entscheiden, „ob es ein asiatischer oder europäischer Staat werden will“, sich also von einer unilateralen zu einer multilateralen Politik entwickeln wolle.

In ähnlicher Form erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 35/2018.

Schwer ergründbare Wahrheit

In der „Tagespost“ vom 19. Juli hat die Kirchen-Journalistin Ewa K . Czaczkowska ein sehr positives Bild des früheren polnischen Primas, Kardinal August Hlond, gezeichnet. Eine kritische Replik.

Von Tilman Asmus Fischer

Nachdem die Heiligsprechungskongregation in Rom befürwortet hat, August Hlond (1881–1948) den heroischen Tugendgrad anzuerkennen, könnte es in absehbarer Zeit zu einer Seligsprechung des früheren polnischen Primas (1926–1948) kommen. Dies wird von vielen polnischen Katholiken begrüßt – führte der Salesianer die polnische Kirche doch durch eine wechselvolle und anfechtungsreiche Zeit. Jedoch übersehen viele Befürworter Ambivalenzen, die sich mit der kirchenhistorischen Persönlichkeit verbinden. Demgegenüber mahnen kritische Stimmen aus Deutschland eine ganzheitlichere Betrachtung Hlonds an.

Die erinnerungspolitisch brisanten Aspekte der Biografie von August Kardinal Hlond betreffen neben antisemitischen Haltungen die Rolle, die er nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den polnisch verwalteten, jedoch völkerrechtlich deutschen Ostgebieten und der Freien Stadt Danzig spielte. Ausgehend von einer Vollmacht der Heiligen Kongregation für außerordentliche Angelegenheiten zur Beauftragung von Administratoren für vakante Bischofssitze betrieb Hlond 1945 die Absetzung der dort verbliebenen deutschen Bischöfe. Dabei hatte sich die Vollmacht lediglich auf das polnische Gebiet bezogen („in tutto il territorio polacco“).

„Hlond hat Fakten geschaffen – ganz im Sinne der damaligen polnischen Ideologie, die deutschen Ostgebiete als ,wiedergewonnene Westgebiete‘ zu behandeln“, stellt Limburgs emeritierter Weihbischof Gerhard Pieschl fest. Damit gehört die Absetzung der früheren Bischöfe in den Kontext von Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. Pieschl, 1983 bis 2009 Beauftragter der deutschen Bischofskonferenz (DBK) für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, vermutet hinter dem Seligsprechungsverfahren ein geschichtspolitisches Kalkül: „Da ein Seliger in seinem Leben nichts Schlechtes gegenüber Dritten getan haben kann, würde eine Seligsprechung Hlonds der Behauptung Vorschub leisten, dass die Vertreibung der Deutschen gewissermaßen unter göttlichem Segen stand.“ Von seinen aktiven Amtsbrüdern in der DBK wünscht sich Pieschl vertiefte Einsicht in diesen Sachverhalt und bedauert, dass sie schon seit längerem in dieser Frage eher „zögerlich“ agierten.

Pieschl selbst hatte zu seiner aktiven Zeit als Beauftragter die Causa Hlond immer wieder – auch gegenüber polnischen Bischöfen – thematisiert. Unterstützung erhielt er dabei unter anderem von den früheren Kölner Erzbischöfen Joseph Kardinal Höffner und Joachim Kardinal Meisner. Letzterer habe noch wenige Tage vor seinem Tod – mit Blick auf die Seligsprechung Hlonds – in einem Brief erklärt, es sei ein „Skandal, wie sich die Vertreiber heute darstellen wollen“. Die Forschungsergebnisse einer in den 1990er Jahren von der deutschen und polnischen Bischofskonferenz eingesetzten „Historikerkommission zur Klärung offener Fragen bezüglich Kardinal Hlonds“ werden, wie die KNA berichtet, bis heute unter Verschluss gehalten.

Wie jedoch schätzt die kirchengeschichtliche Forschung die Rolle Hlonds ein? – „Tatsache ist, dass Hlond eindeutig seine von Rom erteilten Vollmachten für die Neuordnung der westpolnischen Gebiete übertreten hat“, konstatiert Professor Stefan Samerski. Der Kirchenhistoriker von der Ludwig-Maximilians-Universität München bedauert, dass heute wieder Grabenkämpfe über diese Frage aufbrechen: „Sie wurde in den 1990er Jahren von deutschen und polnischen Wissenschaftlern eifrig diskutiert und man kam damals inhaltlich weitgehend überein.“

Für Samerski steht fest, dass die Ablösung der deutschen Ordinarien „eindeutig nicht mit den Weisungen der Kurie übereinstimmte, da eine solche Ablösung immer dem Papst zusteht“. Aktenmäßig sei ferner belegt und seit den 1990er Jahren auch veröffentlicht, dass Papst Pius XII. den entstandenen Schaden für die deutschen Ordinarien wieder gutmachen wollte – jedoch: „Wegen des neuen kommunistischen Regimes ließ er die Sache auf sich beruhen, da die kirchenpolitische Situation in Polen nach 1946 völlig unsicher und undurchsichtig war.“

„Die Vertriebenen waren in den 1990er Jahre sehr kritisch gegenüber der Seligsprechung Hlonds eingestellt und die, die noch leben, sind es immer noch“, beschreibt Wolfgang Nitschke die Stimmungslage innerhalb der organisierten katholischen Vertriebenen. Der Vorsitzende des Adalbertus-Werks, des Bildungswerks der Danziger Katholiken, bezeichnet es als „kirchenrechtlich und persönlich sehr anmaßend, dass Hlond meinte, als Primas den Danziger Bischof Carl Maria Splett absetzen zu können“. Jedoch gibt er auch zu bedenken: „Inwieweit er dabei genauso unter Druck der Kommunisten stand, wie Splett vorher unter Druck der Nazis, ist nicht bewiesen.“ Daher, so Nitschke, seien Fragen nach der Rolle Hlonds in der Nachkriegszeit für deutsche Vertriebene ähnlich brisant wie diejenigen nach der Rolle Spletts im Zweiten Weltkrieg für dessen polnische Kritiker; in beiden Fällen schiene die Wahrheit schwer objektiv ergründbar zu sein.

Erschienen am 2. August 2018 in der Zeitung „Die Tagespost“ (www.die-tagespost.de).

Kieselstein im Schuh der Linken

Die Evangelische Kirche diskutierte mit Bodo Ramelow darüber, wo man zwischen Christentum und Marxismus steht

Von Tilman Asmus Fischer

Bodo Ramelow ist nicht nur der erste – und bisher einzige – Ministerpräsident, den die Partei „Die Linke“ im vereinigten Deutschland stellt. Der Chef der Erfurter Landesregierung, der in Rheinhessen aufwuchs – wo er aus der evangelischen Kirche austrat – und in Thüringen wieder in die evangelische Kirche eintrat, ist auch einer der profiliertesten Christen innerhalb seiner Partei.

Bodo Ramelow, Jörg Antoine, Hans-Georg Furian und Moderator Hans Dieter Heimendahl (von links).

Damit ist Bodo Ramelow prädestiniert, zum Dialog zwischen „Der Linken“ und den Kirchen beizutragen, der sich gegenwärtig auf unterschiedlichen Ebenen entwickelt. Hinzuweisen wäre etwa auf einen unlängst von der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegebenen Sammelband zum „gemeinsamen Erbe von Christen und Marx“. Einen vergleichbaren Ansatz verfolgte die Podiumsdiskussion mit den Leitfragen „Wie viel Marx steckt in Jesus? Und wie viel Jesus in Marx?“, zu welcher der Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree am 29. Mai im Rahmen des „1. Lichtenberger Dialogs“ eingeladen hatte. Moderiert von Hans Dieter Heimendahl, Leiter der Hauptabteilung Kultur von Deutschlandradio Kultur, stellte sich Ramelow dem Disput mit Jörg Antoine, Konsistorialpräsident der EKBO, und Hans-Georg Furian, Superintendent des einladenden Kirchenkreises.

Die Stärke des Gesprächs lag weniger in einer tiefgehenden Reflexion des Verhältnisses von Christentum und Marxismus. Vielmehr vermochten Ministerpräsident und Superintendent mittels ihrer biografischen Zugänge auszuloten, was es persönlich bedeutet, im Spannungsfeld zwischen beiden Weltanschauungen zu leben.

Ramelow berichtete davon, zunächst allein in der Kirchenbank gesessen zu haben, nachdem er begonnen habe, sich innerhalb der damaligen PDS zu engagieren. Und er sprach darüber, was es bedeutet, als Christ „der Kieselstein im Schuh“ seiner Partei zu sein. So habe er von Beginn an immer wieder ein Thema auf die Agenda gesetzt: „Wie geht die PDS mit dem Thema ‚Christen in der DDR‘ um?“

Furian erinnerte daran, was es bedeutete, als Christ im real existierenden Sozialismus zu leben. Die eigenen Erfahrungen aus der DDR-Zeit führten ihn auch zu kritischen Kommentaren der vom Marxismus inspirierten politischen Konzepte: „Wenn ich denke, dass durch mein Handeln eine vollendete Welt entsteht, ist eigentlich jeder Mensch nur ein notwendiges Opfer auf dem Weg zu ihrer Erlangung.“ Daher solle man sich hüten, „eine Weltanschauung zu entwickeln, in der es am Ende notwendige Opfer“ gebe.

Während Ramelow fragte, ob dies nicht für alle Diktaturen zuträfe, und darauf hinwies, Marx habe keine angepassten Duckmäuser hervorbringen wollen, ließ Jörg Antoine Marx – bei aller Wertschätzung für dessen analytisches Werk – nicht so leicht davonkommen: Man könne nicht alles, was nach ihm schlecht gelaufen sei, Marx nicht anlasten. Ebenso sei „auch Luther Teil einer Schuldgeschichte, wenn auch nicht verantwortlich für die Shoah“. Vergleichbar problematisch sei Marx mit Blick auf bürgerliche Rechte: Er kenne „etwa keine Abwehrrechte gegen totalitäre Übergriffe auf den Bürger“.

Was bleibt? – „Glauben Sie an eine christliche oder sozialethische Parusie?“, fragte Heimendahl abschließend. Ramelows Antwort zur Wiederkunft Christi fiel abgeklärt aus: „Die großen Erzählungen überlasse ich den großen Erzählern“ – er selbst sei an der alltäglichen Praxis interessiert. Und hier sei gegenwärtig „gesellschaftlicher Kitt notwendig“ – der könne aus der Bibel oder von Marx genommen werden.

In ähnlicher Form erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 23/2018.

Weltkirche zu Gast in Dresden

Im Bistum Sankt Clemens in Saratow leben 20 000 Diaspora-Katholiken. Die Konferenz ihrer Seelsorger tagte im Bistum Dresden-Meißen.

Von Tilman Asmus Fischer

Eigentlich war Clemens Pickel 1990 – damals Priester des Bistums Dresden-Meißen – lediglich auf drei Jahre mit der Seelsorge an den verbliebenen Deutschen in Tadschikistan und ab 1991 in Marx an der Wolga beauftragt worden. Nachdem seine dortige Amtszeit auf acht Jahre verlängert worden war, hätte er 1998 wieder nach Sachsen zurückkehren müssen. Dem kam jedoch Papst Johannes Paul II. zuvor, indem er ihn zum Weihbischof für die Apostolische Administratur für das Europäische Russland – und ein Jahr später zum Apostolischen Administrator für das Europäische Südrussland – ernannte. 2002 traf die Kurie eine weitere wegweisende Entscheidung: die Umwandlung der päpstlichen Administraturen auf russischem Staatsgebiet in eigenständige Bistümer. Und so entstand das Bistum Sankt Clemens in Saratow, dessen erster Bischof Pickel wurde. Dort leben in einer extremen Diasporalage unter 45 Millionen Einwohner ca. 20 000 Katholiken.

Kürzlich besuchte Bischof Pickel nun wieder einmal seine sächsische Heimat – und brachte fast seine ganze Diözese mit, oder vielmehr fast alle ihre Seelsorger: 40 Priester und 60 Ordensleute. Anlass bot die jährliche mehrtägige Pastoralkonferenz des Bistums Sankt Clemens, die 2018 in Naundorf (Sächsische Schweiz) stattfand. Weil es je mehrere hundert Kilometer von einem Seelsorgezentrum zum anderen seien, erläuterte Pickel, seien diese längeren jährlichen Treffen notwendig: „Weiterbildung, Austausch, gemeinsames Gebet und auch ein wenig Erholung gehören traditionell zu der Begegnung, bei der möglichst niemand fehlen sollte, bei der aber auch – die Erfahrung zeigt es – kaum jemand fehlen möchte. Gewöhnlich organisieren wir die Konferenz bei uns im Bistum, ausnahmsweise aber auch an anderen Orten, was dann auch mit Gründen wie Dank und Motivationsschub zu tun hat, denn einfach ist es in der südrussischen Diaspora nicht.“ In diesem Jahr befasste sich die Konferenz mit dem Thema „Pastorale Fragen im Zusammenhang mit heutiger Bioethik“.

Einen Höhepunkt der Tagung stellte die Feier der heiligen Messein der Katholischen Hofkirche zu Dresden dar – neben Bischof Pickel mit Bischof Heinrich Timmerevers und Bischof emeritus Joachim Reinelt. Anschließend hatte das Bistum Dresden-Meißen zu einem gemeinsamen Imbiss mit Vertretern von Gemeinden eingeladen, die Partnerschaften mit Gemeinden der Diözese Sankt Clemens pflegen. Unter Leitung des Weltkirchen- und Umweltbeauftragten des Bistums Dresden-Meißen, Ulrich Clausen, bot eine Podiumsdiskussion Rückblick und Ausblick auf die gelebte Partnerschaft. Eine Partnerschaft, durch die – so Bischof Pickel – „Glauben wächst“: Wenn Katholiken in Russland auch eine verschwindend kleine Minderheit darstellten, gehörten sie doch zur katholischen Weltkirche. Durch die gelebten Beziehungen zwischen Ost und West werde so Katholizität erlebbar.

Gemeinsam mit Bischof Pickel sprach hierüber unter anderem Pfarrer Bosco Marschner. Gewissermaßen ist er dem Vorbild Bischof Pickels gefolgt: Zuvor Pfarrer in Zittau, entschloss er sich, ab August 2015 die katholische Gemeinde in Marx an der Wolga zu übernehmen. Sowohl der Bischof als auch sein Pfarrer sind nicht nur mit den alltäglichen Herausforderungen der Diaspora befasst, sondern zudem bestrebt, für deren Fragen und Belange die deutsche Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Beide berichten auf eigenen Blogs über ihr Leben und Wirken. Bischof Pickel hat zudem bereits einschlägige Buchveröffentlichungen vorgelegt.

Bischof Timmerevers bezeichnete seine eigenen Begegnungen mit den Seelsorgern der Saratower Diözese als „bewegend und mitreißend“. Besonders fasziniert äußerte er sich darüber, wie in Saratow „Weltkirche gelebt“ werde. Da die kleine katholische Gemeinschaft in Russland selbst kaum eigene Seelsorger hervorbringen, ist die Kirche auf den Dienst von ausländischen Geschwistern angewiesen. „Für ganz Russland besteht ein einziges Priesterseminar, in dem momentan gerade einmal elf Seminaristen ausgebildet werden“, erläuterte Bischof Pickel. Ob am Ende auch tatsächlich alle zu Priestern geweiht würden, sei noch nicht abzusehen. Und so arbeitet er in seinem Bistum mit Ordensangehörigen und Priestern aus über 30 Ländern zusammen. Unter den Ordensleuten finden sich – anders als es sich gemeinhin in Deutschland darstellt – viele junge Frauen. Dies markierte Gabriele Haseneder aus Zittau – der Partnergemeinde von Astrachan – als Beispiel dafür, dass die Partnerschaft Einblicke eröffne, von denen gerade auch die deutschen Katholiken profitieren könnten.

Pfarrer Marschner vermittelte einen exemplarischen Eindruck von der Bedeutung, die die Partnerschaft für seine Gemeinde in Marx hat. Da die deutschen Geschwister weit weg seien, wachse die Verbundenheit erst allmählich. Jedoch sei vor allem das grenzüberschreitende Gebet füreinander den Menschen zunehmend wichtig. Dabei verdeutlichte er zugleich: „Natürlich ist das Materielle auch wichtig.“ So ermögliche es die Partnergemeinde durch ihre Unterstützung jungen Katholiken aus Marx, nach Taizé zu reisen.

Bischof Timmerevers zeigte sich während der Diskussion begeistert von den bestehenden sächsisch-russischen Beziehungen und äußerte seinen persönlichen Wunsch, die bestehenden Partnerschaften zu verstetigen. Die Anwesenden forderte er zur Unterstützung der Glaubensgeschwister im Bistum Sankt Clemens auf: „Ich lade Sie ein, alles zu tun, was Sie tun können – und den Rest tut der liebe Gott.“

Erschienen am 10. Mai 2018 in der Zeitung „Die Tagespost“ (www.die-tagespost.de).