Wie auf Erden

Das Wiedersehen mit dem kleinen schwedischen Kirchenchor setzt auf große Themen. Schafft es der neue Film, „Wie im Himmel“ zu toppen?

Von Tilman Asmus Fischer

Viele Kinobesucher haben den kleinen schwedischen Kirchenchor aus dem Spielfilm „Wie im Himmel“ (2004) geliebt. Der große Kino-Erfolg wurde 2005 als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert und begeisterte weit über eine Million deutsche Kinozuschauer. Nun soll es nach über zehn Jahren ein Wiedersehen geben – unter dem Titel „Wie auf Erden“.

Nach dem plötzlichen Tod des Chorleiters bringt seine Lebensgefährtin Lena – neuerlich von der energischen Frida Sophia Hallgren gespielt – das gemeinsame Kind zur Welt. In das eigene Chaos der Gefühle hinein bittet sie Gemeindepfarrer Siv – frisch von der Gattin verlassen und wegen Alkoholismus kurz vor der Suspendierung –, die Kirchenmusik zu übernehmen: Die zu oft zu leere Kirche soll anlässlich des Kirchjubiläums voll sein – dank guter Musik.

Lena beschließt, mit dem Laienchor Händels Halleluja aufzuführen. Damit bringt sie einen „professionellen“ Kirchenmusiker gegen sich auf, der das Konzert mit Berufsmusikern bestreiten will. Nebenbei mischt Lena die Gemeinde auf: Die Kirchenbänke verschwinden, es werden moderne Gottesdienste gefeiert, getanzt und musiziert. Am Ende setzt sich die Gemeinde gegen konservative Kirchenobere und Lenas Konkurrenten durch.

Es geht um die großen Themen: Leben und Tod – Hoffnung und Zweifel. Der Film wartet mit Emotionen, bewegenden Bildern und einer überzeugenden Besetzung auf – wie bereits „Wie im Himmel“. Man kann durchaus zwischendurch eine Träne verdrücken. Am Ende bleibt „Wie auf Erden“ jedoch hinter seinem Vorgänger zurück. Das liegt vor allem daran, dass der Film inhaltlich überladen ist – der Zuschauer fragt sich: Geht es um Lenas Versuch, sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden? Oder um das Schicksal einer kleinen Kirchengemeinde auf dem Lande? Oder vielleicht doch eher um Lenas neu erwachende Liebe zu einem Handwerker, der an der Restaurierung der Kirche beteiligt ist?

In jedem Fall regt der Film zum Nachdenken über Gegenwartsprobleme der Kirche an: Während Siv als Pfarrer seiner Gemeinde vor allem den strafenden Gott predigt, steht Lena für einen lebensbejahenden Glauben. Mit einer Herzlosigkeit, die die Aufrichtigkeit der Kirche in Frage stellt, steht der stereotype Kirchenratsvorsitzende ebenso Sivs Lebenskrise wie den Neuerungen in der Gemeinde gegenüber.

Der Film plädiert für eine Kirche, die bereit ist, hergebrachte Konventionen zugunsten der Frohen Botschaft in Frage zu stellen. Dass dazu Geschlechtsverkehr in der Kirche dargestellt wird, ist geschmacklos. Dass Jesus Christus zum Happy End, das Anleihen bei Bollywood nicht verleugnen kann, vom Kreuz steigt und sich unter die Gemeinde mischt, prätentiös.

Wie auf Erden. Schweden 2015. Regie: Kay Pollak. Kinostart 3. Dezember.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 44/2015.