Gott und die Welt in Berlin

Fotografinnen und Fotografen zeigen Religion als eine „Angelegenheit des Menschen“

Von Wen-Ling Chung und Tilman A. Fischer

„Glaube ich?“ – „Ist Glaube notwendig?“ Diese und verwandte Fragen waren zu jeder Zeit von Bedeutung. In einer von Säkularisierung ebenso wie von religiöser Diversifizierung geprägten Stadt wie Berlin stellen sie sich in besonderer Intensität. Exemplarisch nachgespürt haben ihr aus unterschiedlichen Perspektiven 13 junge Künstlerinnen und Künstler von der privaten Berliner „Ostkreuzschule für Fotografie“. Die Guardini Galerie präsentiert ihre Interpretationen der Frage nach Religion bzw. ihre visualisierten Antworten im Rahmen der Ausstellung „Berlin, Gott und die Welt“.

Dabei stehen die Kunstwerke für einen weiten Religionsbegriff ein, der über das Fürwahrhalten von Glaubenssätzen hinausgeht und Religion im existenziellen Sinne als eine – in den Worten Johann Joachim Spaldings – „Angelegenheit des Menschen“ erfasst: stets geht es auch um eine Selbstbefragung hinsichtlich Sinn, Identität und Selbstverhältnis. So reflektiert etwa Massimiliano Corteselli („The first crow that cracked a nut“) über das Gefühl von Einsamkeit im Verwiesensein des Menschen auf seinen eigene Körper.

Andere Fotografinnen und Fotografen befassen sich mit Fragen der Sexualität oder auch mit den Wechselbeziehungen zwischen religiöser und ethnischer bzw. politischer Identität. „Das Buddhistische Haus. Ehi passiko – komm und sieh“ von Janick Entremont dokumentiert den ältesten buddhistische Tempel Europas in Frohnau. Kleine Details des Tempels, die normalerweise nicht bemerkt würden, werden sehr genau betrachtet und in Nahaufnahmen gezeigt.

„Beyond mountains more mountains“ von David Remmtsen porträtiert die Minderheitsgruppe der Jesiden in Berlin, die wegen politischer Verfolgung und Genozid vor dem sogenannten „Islamischen Staat“ nach Deutschland geflüchtet sind. Das Foto einer Geburtstagsfeier stellt die inneren Spannungen ihres Lebens eindrücklich dar: Die jugendliche Hoffnung der Teenager bricht sich mit Besorgnis angesichts der Vergangenheit und offener Zukunftsfragen: Die Leidensgeschichte der Jesiden – Traumata, Diaspora und Identitätssuche Identität – mischt sich mit neuen Unsicherheiten, auch angesichts der aktuellen Pandemielage.

Mit dem Gebet nimmt Mirka Pflüger („Zwei Teile Ein Ganzes“) einen der wichtigsten Vollzüge des Glaubenslebens in unterschiedlichen Religionen in den Blick. Es liegt nicht am gegenwärtigen „Social Distancing“, dass die Beterinnen und Beter nicht in dichter Gemeinschaft erscheinen. Vielmehr geht es der Künstlerin um das Beten als einen intensiven Dialog zwischen dem Beter und Gott, der eines physisch wie seelisch geschützten Raumes bedarf. Komplementär zu Pflüger nimmt Timo Schlüter die Orte religiöser Praxis in den Blick: Statt Menschen fokussiert er auf die „Fassaden des Glaubens“ – Außenansichten der Gebäude von verschiedenen Religionsgemeinschaften in Berlin. Was bleibt: „profane“ Alltäglichkeit oder stille Feierlichkeit? Dieser und anderen Fragen nachzugehen, laden die Kunstwerke noch bis Ende des Monats in der Guardini Galerie ein.

„Berlin, Gott und die Welt“, Guardini Galerie (Askanischer Platz 4, 10963 Berlin), Montag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr, Eintritt frei; weitere Informationen: http://www.guardini.de

Erschienen in: „die Kirche“ – Evangelische Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz 25/2021.

Geistliches Geleit

Kreuzweg-Meditationen im Zeichen der Pandemie

Von Tilman Asmus Fischer

„Wie anders als 2000 Jahre lang gemeinschaftliche Feier des Todes und der Auferstehung waren die Kar- und Ostertage im Jahre 2020!“ Thomas Sternberg – so in seinem Geleitwort zum Bild- und Meditationsband „Auf dem Weg zum Kreuz“ – ist zuzustimmen. Und zu ergänzen ist: Auch 2021 werden die Feiertage nicht dem entsprechen, was bisher als ‚normal‘ galt. Das im Vorjahr von Martin W. Ramb und Holger Zaborowski herausgegebene Buch stellt einen hilfreichen wie nachdenklichen Begleiter durch diese besondere Passionszeit und v. a. Karwoche dar.

Anknüpfend an die insbesondere im Katholizismus gepflegte Kreuzweg-Tradition hatten die beiden Herausgeber gemeinsam mit dem Portal „katholisch.de“ im Laufe der vorjährigen Passionszeit unterschiedliche Autoren eingeladen, angesichts der Pandemie die Leidensstationen Christi zu bedenken. Die klassischen – 14 bzw. 15 – Stationen ergänzend sind so insgesamt 20 Meditationen zusammengetragen worden, in denen sich Glaubenstradition und Gegenwart gegenseitig erschließen. Denn, wie Ramb und Zaborowski einleitend erläutern „so, wie man sich aus der eigenen Situation auf Jesu Weg zum Kreuz einlassen kann, vermag dieser umgekehrt, Licht in unser eigenes Leben, Leiden und Sterben zu werfen.“

Leisten dies bereits die Texte für sich, vollzieht sich dieser interpretatorische Akt zudem auf visueller Ebene. Denn illustriert werden die Andachten nicht etwa durch klassische religiöse Kunst, sondern durch zeitgenössische Fotografien, welche die Pandemie in unterschiedlichen Situationen porträtieren: „Schreckliche, aber auch hoffnungsvolle Bilder der Solidarität und des Beistands prägen unsere Vorstellung von dieser das Menschliche zutiefst herausfordernden Zeit“, so die Herausgeber. Vielleicht etwas plakativ gesellt sich das Bild einer Ansprache Donald Trumps auf einem Lazarettschiff zur Station der Verurteilung Jesu zum Tode. Die anderen Bild-Text-Kombinationen sind stillerer Natur, etwa die Verbindung der Beisetzung von Corona-Opfern ohne Familienangehörige in einem New Yorker Massengrab mit der Grablegung Jesu.

Der Berliner Philosoph und Publizist Thomas Brose fragt in seinem Beitrag zur Kreuztragung, „wo in der gegenwärtigen Corona-Krise etwa zu entdecken [ist], das an das Gute im Menschen erinnert“. Indem „Auf dem Weg zum Kreuz“ auch hierauf immer wieder Antwort gibt, spendet der Band Trost und Zuversicht. Mithin: Lesens- und betrachtenswer ist dieses vom Katholiken verfasste und herausgegebene Buch – in ökumenischer Verbundenheit auf dem Weg zum Osterfest – für Angehörige unterschiedlicher Konfessionen.

Martin W. Ramb und Holger Zaborowski (Hrsg.), Auf dem Weg zum Kreuz. Meditationen in Zeiten der Corona-Pandemie, EOS-Verlag, Sankt Ottilien 2020, 104 Seiten, 14,95 Euro

Erschienen in: „die Kirche“ – Evangelische Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz 13/2021.

Nicht vom gleichen Planeten

In Taiwan fragt die zwölfte Taipeh Biennale nach Zukunftsperspektiven angesichts der aktuellen ökologischen Krisen

Von Ting-Chia Wu und Tilman A. Fischer

„Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin“, bezeugt Jesus Christus im Johannesevangelium (17,16) über seine Jünger. Die Erfahrung von Fremdheit in der unerlösten Welt ist für die christliche Existenz in allen Zeiten konstitutiv – und ermöglicht eine kritische Distanz zur jeweiligen sozialen Realität. Dabei ist die gesellschaftliche Wirklichkeit unserer Tage durch eine zunehmende Diversifizierung und Fragmentierung von Weltanschauungen geprägt, die den sozialen Zusammenhalt herausfordern. In einer Weise, die der christlichen „Außenperspektive“ auf die Welt vergleich ist, vermag auch die Kunst, soziale und ökologische Bedingungen zu analysiert und zu kritisiert, indem sie mit der Fremdheit von Weltbildern und -anschauungen spielt.

Ein hervorragendes Beispiel hierfür bietet die aktuelle, zwölfte, Taipeh Biennale (21. November 2020 – 14. März 2021), die vom „Taipei Fine Arts Museum“ organisiert wurde. Die beiden französischen Intellektuellen, der Philosoph Bruno Latour und der freischaffende Kurator Martin Guinard-Terrin, die von den Veranstaltern eingeladen worden waren, die Biennale auszugestalten, verfolgen die Absicht, die derzeitigen politischen Spannungen ebenso wie die ökologische Krise anhand verschiedene ‚Planeten‘ zu veranschaulichen. So kommentieren Latour und Guinard-Terrin: „Es gibt zunehmende Meinungsverschiedenheiten darüber, wie die Welt bewohnbar erhalten werden kann, nicht nur, weil die politischen Meinungen auseinandergehen, sondern vor allem, weil wir uns nicht einig zu sein scheinen, wie die Erde beschaffen ist.“

Bedauerlicherweise werden aufgrund der gegenwärtigen Pandemie so gut wie keine ausländischen Besucher diese Ausstellung in der taiwanesischen Hauptstadt besuchen können. Umso gebotener scheint es zu sein, der Biennale journalistisch Tribut zu zollen und an dieser Stelle ein paar Schlaglichter auf sie zu werfen. Unter dem Titel „You and I don’t live on the same planet“ („Du und ich leben nicht auf demselben Planeten“) bietet die Ausstellung ein fiktives Planetarium, in dem Künstler, Wissenschaftler und Aktivisten verschiedene Aspekte von fünf ‚Planeten’ erkunden, die für unterschiedliche Visionen der Welt stehen. Diese weichen voneinander nicht nur in der Frage ab, was unter der „Welt“ zu verstehen ist, sondern auch in den Vorstellungen von angemessenen soziale und politische Reaktionen auf aktuelle Krisen wie Globalisierung, soziale Ungleichheit und Klimawandel.

Mika Rottenberg, Cosmic Generator (AP) (Foto: Ting-Chia Wu)

So folgt der Planet „Globalisierung“ dem Traum der Modernisierung, welche die materiellen Belastungsgrenzen unseres Planeten nicht berücksichtigt. Die Videoinstallation „Cosmic Generator“ der argentinischen Künstlerin Mika Rottenberg etwa zeigt, wie Mechanismen der Globalisierung Alltagskulturen auf der ganzen Welt transformieren. Dafür verwendet sie die Metapher eines Tunnels, der Orte in verschiedenen Weltregionen in Form von Konsumgüterströmen verbindet – hier einen Marktplatzes in Yiwu, Volksrepublik China, dort ein chinesisches Restaurants in Mexicali, einer mexikanischen Stadt nahe der Grenze zu den Vereinigten Staaten. Auf diese Weise porträtiert Rottenberg eine globale Konsumwirtschaft, die nicht nur zu einer Homogenisierung des Lebensstils, sondern auch zu einer Masse von (Billig-)Produkten führt, die die Grenzen des tatsächlichen Bedarfs und der ökologischen Nachhaltigkeit überschritten hat.

Viele Menschen, die sich vom Ideal der Globalisierung betrogen und infolgedessen verloren fühlen, fliehen auf den Planeten „Sicherheit“, wie er von Rechtspopulisten propagiert wird. Der niederländische Künstler Jonas Staal fokussiert einen Vordenker dieser Bewegung, den ehemaligen Trump-Berater Steve Banon. In einer Installation bietet Staal eine „Propaganda-Retrospektive“, die in Auszügen Filme präsentiert, die von Banon produziert wurden und die Alt-Right-Ideologie befördern.  Indem diese mit der Angst vor Islamismus, Liberalismus und Multikulturalismus spielt, finden einzelne ihrer Bestandteile auch in Teilen konservativer christlicher Milieus zunehmend Unterstützung – vor allem, aber nicht nur in den USA. Gleichzeitig lassen die von Banon, Trump & Co artikulierten Krisenszenarien die Gefahren des Klimawandels und der ökologischen Degeneration in den Hintergrund treten.

Während auf diese Weise bereits heute Menschen der ökologischen Bedrohungslage – innerlich – entfliehen, spielt der der Planet „Flucht“ mit der futuristischen Möglichkeit einer kleinen Gruppe Privilegierter, sich gleich an Orte, der nicht vom Klimawandel betroffen sind, abzusetzen – in diesem Falle auf den Mars. Jedoch reagieren nicht alle Menschen auf die Konsequenzen der Globalisierung mit Flucht, sondern einige auch auf progressive Weise: Der „terrestrische“ Planet steht für diejenigen, die auf der Erde, wie sie tatsächlich ist, „landen“ und versuchen, das Gleichgewicht zwischen Wohlstand und der Achtung planetarer Belastungsgrenzen zu halten. Dieser Kampf beginnt mit der Anerkennung des Lebensraums des Menschen als der kritischen Zone der Erde, der ‚dünnen‘ Erdoberfläche, in der Gestein und Vegetation sich berühren und die ein komplexes wie fragiles Gebilde darstellt. Die taiwanesische Künstlerin Yu-Hsin Su fragt in ihrer Installation nach der Sichtbarkeit der Erdoberfläche als ebendieser „kritischen Zone“. Dafür nutzt sie das Material einer visuellen Datenbank taiwanesischer und deutscher Geologen, welche die bisherige Veränderung des Ökosystems in der taiwanesischen Taroko-Schlucht dokumentiert.

Mit einem fünften Planeten, „alternativen Gravitation“, porträtieren die Kuratoren Menschen und soziale Gruppen, die nicht ausschließlich einem der anderen „Planeten“ angehören, sondern sich von diesen Weltvisionen in divergierender Weise angezogen und abgestoßen fühlen. Damit dürfte sich hierin wohl der größte Teil der Weltbevölkerung repräsentiert finden.

In ihrer Gesamtheit exponiert die Biennale Umwelt- und Klimaschutz als ein Thema, welches von existenzieller Bedeutung für die Menschheit und den einzelnen Menschen ist. Dieser Tatsache entspricht in religiöser Sprache der Begriff „Bewahrung der Schöpfung“. In diesem Sinne spricht die Ausstellung implizit auch die religiöse Dimension des Umweltschutzes aus. Hierzu passt, dass es der Kurator Bruno Latour ist, der seit Jahren darum kämpft, die Verbindungen zwischen Theologie und Klimaschutz zu stärken; etwa durch eine Seminarreihe, die er seit drei Jahren für die katholische Universität Paris (Institut Catholique de Paris) organisiert. Wenn Latour auch in Taiwan kein überwiegend katholisches oder christliches Publikum anspricht, kann diese Ausstellung dennoch auch als Aufforderung angesehen werden, die Verantwortung von Kirche, Theologie und Christen im Allgemeinen für diese Welt zu überdenken – auch wenn sie „nicht von der Welt“ sind.

Erschienen am 4. März 2021 in der Zeitung „Die Tagespost“ (www.die-tagespost.de).

Religion als kulturelle Ressource

In „Heimat Europa“ erkunden unterschiedlichste Autoren das geistige Fundament, auf dem sich das europäische Menschenbild begründet

Von Tilman Asmus Fischer

In den seit 2015 vermehrt geführten Debatten um Erbe und Zukunft Europas wird immer wieder der Topos des „christlichen Abendlands“ bedient – entweder als unverzichtbarer und bedrohter Kern europäischer Identität oder als moralisches Argument zur Untermauerung politischer Humanitätsforderungen. In jedem Fall scheint man bei der Frage nach Europa nicht um diejenige nach dem Christentum und seinem Beitrag zum geistigen Fundament Europas herumzukommen. Es ist ebendieser Diskurs, der sich in dem bereits 2019 erschienenen Sammelband „Heimat Europa?“ spiegelt, den Martin W. Ramb, Abteilungsleiter Religionspädagogik, Medien und Kultur im Bischöfliches Ordinariat Limburg, gemeinsam mit Holger Zaborowski, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar, herausgegeben hat.

Zu den Beiträgerinnen und Beiträgern gehören neben einer Reihe von Theologen aus Deutschland und dem europäischen Ausland – unter anderem Stephan van Erp, Professor an der Universität Leuven, Jean-Claude Hollerich SJ, Erzbischof des Erzbistums Luxemburg, und Gianfranco Kardinal Ravasi, Präsident des Päpstlichen Rats für Kultur – Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Disziplinen und Bereichen des öffentlichen Lebens: neben der Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff und der Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig etwa auch die langjährige Gewerkschaftsfunktionärin und Sozialpolitikerin Ursula Engelen-Kefer sowie der Unternehmensberater Prinz Asfa-Wossen Asserate.

Gemeinsam ist den meisten Autorinnen und Autoren, dass sie Europa als Heimat nicht im Sinne einer kulturell homogenen Einheit denken, jedoch auf einen Grundbestand verbindender Denktraditionen verweisen, die vornehmlich ein spezifisches Menschenbild prägt. Freilich: Einzelne der Autoren verwehren sich gegen die Idee eines spezifischen identitätsstiftenden moralisch-weltanschaulichen Fundaments Europas; hierfür scheint vornehmlich die Sorge vor einer identitätspolitischen Hybris Europas ausschlaggebend zu sein.

Der Beitrag des jüdisch-christlichen Erbes zur kulturellen und philosophischen Identität Europas wird in den vielfältigen Beiträgen hinlänglich deutlich. So hebt der Religionswissenschaftler Jens Zimmermann die Einsicht des katholischen Philosophen Robert Spaemann hervor, „dass ohne den persönlichen Gott des Judentums und den zur Trinität hinführenden christlichen Inkarnationsgedanken das uns vertraute Bild der von Freiheit, Würde und Sozialität gekennzeichneten Person wohl nicht zustande gekommen wäre“.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Apell von Martin Ramb besonders eindringlich, zur Überwindung der gegenwärtigen Krise Europas müsse Europa lernen, „seine Religionsphobie zu überwinden und dabei seine Laizität weiterzuentwickeln und Religion als kulturelle Ressource für ein lebendiges Zusammenleben seiner Bürger zu begreifen“. Dieses Plädoyer dürfte in den vergangenen Monaten zusätzliches Gewicht erhalten haben: Denn in der gegenwärtigen existenziellen Pandemiekrise zeigt sich zunehmend, dass eine funktionierende Bürokratie alleine den Zusammenhalt Europas nicht zu garantieren vermag, sondern es vielmehr einer tiefergehenden Begründung bedarf, um die Gemeinschaft mit Leben zu füllen.

Martin W. Ramb und Holger Zaborowski (Hrsg.), Heimat Europa?, Wallstein Verlag, Göttingen 2019. 431 Seiten, 22 Euro.

In ähnlicher Form erschienen in: „die Kirche“ – Evangelische Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz 1/2021.

„Unsere Tür ist offen für alle“

Der Buchladen St. Nikolai ist eine Institution der Theologie in Berlin. Durch die Folgen der Corona-Pandemie ist er jedoch in der Existenz bedroht. Gründer Marc-Roderich Pfau spricht im Interview mit Tilman A. Fischer über die Geschichte und Zukunft seiner Buchhandlung

Herr Pfau, 1997 haben Sie den Buchladen St. Nikolai im Nikolaiviertel gegründet. Was war damals ihre Motivation?

In den Jahren davor habe ich, ach… Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Bei meiner Landeskirche, der heuteigen Nordkirche, gab es nach dem Examen eine zweijährige Wartezeit auf einen Vikariatsplatz. Ich entschied, die besondere Gelegenheit zu nutzen, die sich in Berlin nach dem Zusammenschluss mehrerer theologischer Fakultäten ergeben hatte, und eröffnete in der Nähe des neuen Theologicums eine christliche Buchhandlung. Dabei konnte ich meine Liebe zu Büchern mit einer Tätigkeit verbinden, bei der theologische Bildung ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist.

Ihr Geschäft liegt in Sichtweite zweier gegensätzlicher Gebäude: des DDR-Prestigebaus Fernsehturm sowie der St. Marienkirche. Was bedeutet es für die Bundeshauptstadt, dass es an diesem spannungsreichen Ort eine theologische Buchhandlung gibt?

Eine christliche Buchhandlung dürfte für jeden Ort dieser Welt eine wichtige Einrichtung sein. Sogar in der DDR galten christliche Buchhandlungen als Orte, an denen man Bücher finden konnte, die sonst im Angebot fehlten, und wurden auch von Atheisten gern besucht. Unsere Tür ist offen für alle, obwohl unser Angebot natürlich primär auf Christenmenschen zugeschnitten ist. Der andere Schwerpunkt unserer Buchhandlung liegt bei Berlin-Literatur. Wir besorgen aber natürlich mit Freude auch alle anderen Bücher.

Die Buchhandlung ist aktuell in ihrer Existenz bedroht. Wie ist es hierzu gekommen?

Die Auswirkungen der Corona-Krise blieben leider nicht auf die Monate März und April beschränkt, obwohl es uns bald wieder erlaubt war zu öffnen. Während des ersten Lockdowns haben uns viele Kunden vor allem durch Online-Bestellungen über unsere Homepage nikolaibuch.de am Leben erhalten – wofür ich an dieser Stelle nochmals allen Kunden herzlich danken möchte! Aber zwei unserer Standbeine sind seitdem weggebrochen. Zum einen verzichtet die Universität weitgehend auf Präsenzveranstaltungen, weshalb Studierende nicht mehr automatisch in die Nähe unserer Buchhandlung kommen. Zum anderen meiden Berliner und Touristen seit dem Beginn der Pandemie das Zentrum.

Stellt das Advents- und Weihnachtsgeschäft für Sie unter den aktuellen Bedingungen noch eine Hoffnung dar?

Das Weihnachtsgeschäft ist für den Buchhandel überlebenswichtig, da etwa ein Drittel des Jahresumsatzes rund um Weihnachten erzielt wird. Wenn es in diesem Jahr ausbleiben würde, wäre das katastrophal. Aber noch habe ich Hoffnung!

Ist die Schließung Ende des Jahres unabweisbar? Bzw. was müsste geschehen, um den Fortbestand des Buchladens St. Nikolai zu sichern?

Wenn die Corona-Krise Anfang 2021 überstanden wäre, gäbe es keinen Grund, an Schließung zu denken. Alles hängt entscheidend davon ab, ob Kunden auch während des zweiten Lockdowns den Weg zu uns finden oder ihre Bücherwünsche online über unser Geschäft abwickeln, indem sie sich die Bücher von uns zuschicken lassen. 

Zuletzt: Was sagt uns das Schicksal Ihres Geschäftes über die Lage des Bucheinzelhandels an sich? Und welche ethischen Anfragen an die aktuelle Konsummentalität verbinden sich hiermit?

Tatsächlich ist die Lage im Buchhandel sehr unterschiedlich. Kleine Kietzbuchhandlungen erfahren momentan viel Zuspruch, da viele Menschen in der Urlaubszeit zuhause geblieben sind und mehr Zeit zum Lesen haben. Auch Kinderbücher sind stark nachgefragt. Durch unsere Spezialisierung und Lage ist die Situation bei uns allerdings eine völlig andere.

Online-Buchhandel verstehe ich als eine echte Chance für uns, denn er bietet eine Alternative für alle, die ethische Bedenken umtreiben. Denn das Geschäftsmodell des bekannten Online-Riesen beruht auf prekärer Beschäftigung – im Lager und in der Zustellung – und in der konsequenten „Steuervermeidung“. Viele mögen diesen Moloch mit ihren Bestellungen deshalb nicht weiter mästen. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn man kann – ohne zusätzliche Kosten – mit online-Einkäufen sogar den stationären Handel und die Attraktivität der Innenstadt stärken! Das ist wichtig zu wissen, gerade wenn man jetzt coronabedingt den Weg in das Stadtzentrum meiden will. Probieren Sie es aus!

Buchladen St. Nikolai
Rathausstraße 17-19, 10178 Berlin
www.nikolaibuch.de

Erschienen in: „die Kirche“ – Evangelische Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz 46/2020.

Vielfältige Präsenz des Religiösen

Während die Pandemie das physische Reisen derzeit stark einschränkt, bietet es sich an, im Kopf zu fernen Zielen aufzubrechen. Ein Reiseführer des evangelischen Theologen Johann Hinrich Claussen nimmt den Leser mit zu den seltsamsten Orten der Religionen

Von Tilman Asmus Fischer

„Die beste, bildungsreichste und zugleich umweltschonendste Art des Reisens ist immer noch das Lesen.“ Und in Zeiten einer Pandemie wie der gegenwärtigen – so möchte man Johann Hinrich Claussen zustimmend ergänzen – auch die sicherste, zumindest abhängig vom potenziellen Reiseziel. Das neueste Buch des Theologen und Kulturbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland richtet sich an – im ursprünglichen oder literarischen Sinne – reisefreudige Leser, die „religiös musikalisch“ gestimmt mit offenen Augen durch die Welt gehen. Entgegen der immer wieder vorgetragenen Säkularisierungsthese spürt dieses ganz eigene Reisebuch der vielfältigen Präsenz des Religiösen und dessen lebensweltlicher Bedeutung auf allen Kontinenten nach. Indem es auf diese Weise die Religion als eine „Angelegenheit des Menschen“ (Johann Joachim Spalding) ausweist, steht es in der besten kulturhermeneutischen Tradition liberaler Theologie.

Hierzu nimmt Claussen seine Leser mit auf eine Reise zu 42 Orten, welche er als „Die seltsamsten Orte der Religionen“ markiert. Wer hinter diesem Titel ein obskures Raritätenkabinett vermutet, täuscht sich. Claussen spielt zwar mit der Idee des „Exotischen“, bedient jedoch keinerlei Exotismus. Vielmehr geht es ihm darum, anhand von Orten, die vom Verständnis „normaler“ Religiosität einer deutschen Leserschaft abweichen, sowohl auf die Breite möglicher Formen von Religion hinzuweisen als auch eben das eigene Verständnis von „Normalität“ zu hinterfragen.

Daher fasst er zuallermeist in den 20 Kapiteln je zwei oder drei dieser Orte unter thematischen Gesichtspunkten zusammen und bezieht dabei fast durchgehend je auch ein Beispiel aus dem deutschen Sprachraum ein, welches von der scheinbaren „Normalität“ abweicht. So beschreibt er etwa in dem Kapitel über „Verstecke des Überlebens“ neben dem portugiesischen Ort Belmonte, in dem heute die letzten Nachfahren der geflohenen iberischen Juden leben, auch den Schweizer Mont Soleil. Auf diesem hatte der katholische Bischof von Basel an der Wende zum 18. Jahrhundert ursprünglich von Berner Reformierten verfolgten Täufern Asyl gewährt – freilich unter Auflagen: „Die Täufer durften nur auf einer Höhe ab 1 000 Metern wohnen.“

Das Spektrum, welches Claussen unter dem Stichwort „religiöser Orte“ eröffnet ist breit und anregend: Neben Kirchen und anderen Gotteshäusern kommen Gedenkorte für Terroranschläge (in Nizza und Berlin), religiös gedeutete Naturgegebenheiten (wie der Druiden-Baum von Herchies, Belgien) und Landschaften (etwa der Tempel des unendlichen Grüns im japanischen Kokedera) ebenso zur Geltung wie „religiöse Städte“ (etwa das Himmlische Jerusalem in Nkamba, Kongo) und virtuelle Orte wie Onlineplattformen der Post-Evangelicals in den USA.

Die Offenheit, mit welcher der Verfasser den unterschiedlichen Gestalten religiöser Kultur begegnet, ermöglicht ihm unter anderem, zu einer neuen Wertschätzung eines Phänomens zu gelangen, das hierzulande bereits seit langer Zeit lediglich belächelt wird: der Volksfrömmigkeit. Ein faszinierendes Beispiel hierfür ist der litauische Wallfahrtsort Kryžiu kalnas (Berg der Kreuze): „an die hunderttausend Kreuze“, so Claussen, „aus Metall, Holz oder Stein, einige roh zusammengeschweißt oder -genagelt, andere recht kunstvoll gestaltet, mit der Gestalt des Gekreuzigten und ohne, mit Inschriften in vielen Sprachen, die großen Kruzifixe über und über mit Rosenkränzen und kleineren Kreuzketten behängt. Ein Weg und dann eine Holztreppe führen mitten durch dieses katholische Symboldickicht zu einer Marienfigur oben.“ Seit dem 19. Jahrhundert gedenken die Litauer hier ihrer gefallenen Freiheitskämpfer – zuletzt in der Auseinandersetzung mit dem Sowjetkommunismus.

Mit bestimmten Orten berührt Claussen Formen von Religiosität, die der Volksfrömmigkeit verwandt erscheinen, aber doch in einem hohen Maße von Individualität – vielleicht auch einem gewissen Eigensinn – geprägt sind. Das gilt etwa für die „Sakralbauten von Eigenbrötlern“. Hier erinnert der Verfasser etwa an Väterchen Timofej, der sich noch während des Zweiten Weltkriegs aus Russland aufmachte, um in München (auf dem Gelände des heutigen Olympiaparks) die Ost-West-Friedenskirche zu errichten, in der er bis zu seinem Tod im Jahr 2004 täglich die orthodoxe Liturgie feierte und mit den Menschen, die zu ihm kamen, sprach – ohne je Theologie studiert zu haben oder von einer orthodoxen Kirche anerkannt worden zu sein.

„Die seltsamsten Orte der Religionen“ führt allerdings nicht nur den Reichtum der Weltreligionen vor Augen. Das Buch verweist auch auf zweierlei anderes: auf bedrohte wie auch auf fragwürdige Religiosität. In erster Hinsicht sind etwa die uigurischen Heiligenschreine von Xinjiang bedeutsam, die vom rotchinesischen Regime in seinem Kampf gegen die autochthonen Muslime angegriffen werden: „Aus scheinbarem Respekt vor den Uiguren erkennt sie [die Pekinger Zentralregierung; TAF] bedeutende Moscheen und Schreine als ,Stätten des kulturellen Erbes‘ an. Damit verwandelt sie diese lebendigen religiösen Orte in Museen und entzieht sie ihrer eigentlichen Nutzung.“ Als Beispiel für den zweiten Gesichtspunkt gilt eines der beliebtesten Ausflugsziele der Deutschen: die Bad Meinberger Externsteine. Detailliert zeichnet Claussen ihre Inszenierung als Kultstätte germanischer Religion nach, wie sie vor allem im Nationalsozialismus propagiert und noch heute von Rechtsextremisten gepflegt wird.

Im Falle einzelner Orte kann das Buch beim Leser freilich den Wunsch nach einer kritischeren Thematisierung theologischer Anfragen an deren religiösen Charakter hinterlassen. Dies gilt im Besonderen für den Tierfriedhof Hamburg-Jenfeld. Im Anschluss an die Betrachtung der dort gepflegte Trauerkultur wirft Claussen die Frage auf: „Wenn Menschen also um einen Hund oder eine Katze aufrichtig trauern, sollte man dann als Pastor den Abschied nicht aus seelsorgerlichen Gründen begleiten?“ Hier dürften sich allerdings durchaus weitergehende Fragen aufdrängen: Welche Konsequenzen hat eine – zumal religiös eingekleidete – „Vermenschlichung“ der tierischen Mitgeschöpfe für ein sachgemäßes und verantwortliches Verhältnis des Menschen zu sich selbst wie eben auch zum Tier? Und welche möglichen Interventionen ergeben sich hier aus der Perspektive des christlichen Begriffs von Mensch und Schöpfung?

Beschlossen wird das Buch von einem Ort, der dem Verfasser besonders wichtig gewesen zu sein scheint, widmet er ihm doch als einzigem ein Kapitel für sich. Immerhin kennzeichnet Claussen diesen Ort – mitten im Grenzdurchgangslager Friedland – auch als ein Unikum: „Mittendrin, ganz unauffällig, befindet sich die ,Evangelische Lagerkapelle‘, wie auf einem Schild in altertümlicher deutscher Schrift über dem schlichten Eingang zu lesen ist. Doch so bescheiden sie sich gibt, stellt sie dennoch etwas Einzigartiges dar. Denn kein anderes Aufnahmelager in Deutschland besitzt solch eine eigene Kirche.“ Es zeichnet Claussens „Reisebuch“ aus, dass es gerade auch zum Kennenlernen solcher auf den ersten Blick „unspektakulärer“ Orte einlädt – wie dieses nach dem Zweiten Weltkrieg für deutsche Ostvertriebene geschaffene Gotteshauses, dessen innere Gestalt von Werken der bedeutenden Erbauungskünstlerin Paula Jordan geprägt ist. Ein Besuch der werktags von acht bis 17 Uhr öffentlich zugänglichen Kapelle ließe sich gewiss auch mit einer Besichtigung des 2016 eröffneten Museums Friedland verbinden, welches die Geschichte des Aufnahmelagers dokumentiert.

Erschienen am 12. November 2020 in der Zeitung „Die Tagespost“ (www.die-tagespost.de).

Johann Hinrich Claussen, Die seltsamsten Orte der Religionen, München 2020.

Reise durch die Vielfalt des Christentums

Hans Möhler präsentiert architektonisch ungewöhnliche Sakralbauten

Von Tilman Asmus Fischer

„Nähme ich die Flügel des Morgenrots, ließe ich mich nieder am Ende des Meeres, auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich ergreifen“, weiß der Beter von Psalm 139. Aus diesen Worten spricht das gläubige Bewusstsein für die räumliche wie metaphorische Grenzenlosigkeit der Gnade und Zuwendung Gottes zu Menschen. Dieses Gefühl wiederum drängt zur Dankbarkeit – bereits den Psalmbeter: „Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.“

Doch auch über die gesamte Geschichte der Kirche hinweg haben Christen in aller Welt ihr Gottvertrauen sowie ihre Dankbarkeit gegenüber ihrem Schöpfer und Erlöser in Form von Kirchbauten Gestalt annehmen lassen. Und so reicht nicht nur Gottes Hand bis an das „Ende des Meeres“, sondern finden sich auch dort Gotteshäuser, die zu Stille, Gebet und Verehrung einladen: zum Beispiel eine bulgarisch-orthodoxe Kapelle in der Antarktis. Die St. Ivan-Rilski-Kapelle ist eine von acht Kirchen in der Antarktis, die zumeist auf dort tätige Polarforscher zurückgehen. Ihr Patron Ivan Rilski gilt als Schutzpatron der Bulgaren und gründete im zehnten Jahrhundert das bedeutende Kloster Rila. Während dieses größte Kloster Bulgariens seit 1983 zum UNESCO-Welterbe zählt, dürfte der antarktische Wellblechbau mit Kreuz, Altar, Ikonen und Glocke nur den wenigsten Menschen bekannt sein.

Er findet sich jedoch in dem von Hans Möhler herausgegebenen Bildband „Gottes besondere Häuser“, der sich der „ungewöhnlichsten Kirchen der Welt“ annimmt. Der Herausgeber weiß um die kulturelle Prägekraft von Kirchen als sichtbaren Ausdrucks der christlichen Tradition: „Rom ist die Stadt der tausend Kirchen, sagt man. Die kleine mazedonische Stadt Ohrid kann allein 365 Kirchen aufweisen. Weltberühmte Kathedralen ziehen jährlich hunderttausende Besucher aus nah und fern an, und wenn Notre-Dame de Paris brennt, geht eine Welle des Erschreckens um die Welt.“

Ohne die Bedeutung solcher Denkmäler des Glaubens mindern zu wollen verfolgt Möhlers Buch den Ansatz, den Blick auf die architektonische Präsenz des Christentums zu weiten – gewissermaßen vom Zentrum zur Peripherie: „Wer auf Reisen ein wenig die Augen offenhält“, so Möhler, „findet Kirchen und Kirchlein, die kaum jemand kennt – am Straßenrand im Libanon, in den entlegensten Wüstenbergen Äthiopiens oder in der Abgeschiedenheit der Kapverdischen Inseln. Sie sind ungewöhnlich klein oder alt, präsentieren sich in ungewohntem architektonischem Gewand, stehen an besonderen Orten oder tragen eine außergewöhnliche Geschichte in ihren Mauern.“

Und sie zeugen von der Vielfalt der Christentumsgeschichte. So ist einerseits die 1609 im indischen Panjim errichtete römisch-katholische Kirche „Unsere Liebe Frau von der unbefleckten Empfängnis“ ein Relikt des mit dem europäischen Kolonialismus einhergehenden Kulturtransfers. Andererseits kommen eigenständige nicht-europäische Christentümer zur Geltung, wie etwa die in Japan unter Abspaltung vom Methodismus entstandene Mukyokai-Bewegung, die ein am Urchristentum orientiertes Leben jenseits überkommener kirchlicher Strukturen anstrebt. Ihrem Gründer Uchimuru Kanzo ist eine – von offiziellen Denominationen unabhängige – Kirche in Karuizawa gewidmet.

Das im heutigen Irak gelegene Kloster Mor Mattai von Bartella gehört zum historischen Erbe der orientalischen Christen – und erinnert zugleich an das Schicksal dieser heutigen Diaspora: Gegründet wurde es 363 von dem syrisch-christlichen Eremiten Matthias; zuletzt entging es knapp der Zerstörung durch den „Islamischen Staat“. Andere Kirchen sind bezeichnende Dokumente des neuzeitlichen Christentums. Zu ihnen zählt die Kathedrale Nuesta Senora del Carmen, die 1968 im venezolanischen Barquismeto errichtet wurde. Ihrer futuristisch anmutenden Gestalt kann man die Aufbruchsstimmung abspüren, die mit dem Ölboom und der Einführung der Demokratie einhergingen. Den Schwerpunkt freilich legt Möhlers Buches – gewollt oder ungewollt – auf Europa. Inwiefern es damit der – jenseits konfessioneller Grenzen zu verstehenden – Katholizität des Christentums entspricht, bleibt fraglich. Es bietet dennoch spannende Anregungen für Reisen oder schlicht die Beschäftigung mit der globalen Vielfalt des Christentums. Den Anspruch, die porträtierten Kirchen „kunsthistorisch und architektonisch überbordend“ zu beschreiben, verfolgt es nicht. Vielmehr geht es Möhler darum, sie „kurzweilig mit ihren Besonderheiten“ vorzustellen. Dies tut er freilich ausgesprochen knapp. Wenn der Autor in seinem Vorwort hervorhebt, die Kirchen erzählten „uns Geschichten aus ihrer Entstehungszeit genauso wie aus dem gegenwärtigen Leben ihrer Gemeinde“, wäre es eigentlich wünschenswert, wenn er die Leser an diesen umfangreicher teilhaben ließe, als er dies tut.

Dass die Kürze der gebotenen Informationen durch einen sonderlichen ästhetisch-künstlerischen Anspruch ausgeglichen würde, kann nicht unbedingt gesagt werden. Gewiss sind die Motive, die Möhler versammelt, durchaus hübsch. Grafisch spannende Perspektiven auf die Gebäude sind eher in der Minderheit. Ein Grund hierfür mag sein, das die verwendeten Bilder fast ausschließlich aus der freien Medien-Plattform „Wikimedia Commons“ und von unterschiedlichsten Urhebern stammen und nicht von einem kleineren Kreis ausgewählter Fotografen, die in der ihnen eigenen ästhetischen Sprache die Kirchbauten porträtierten. Diese kritischen Anmerkungen tun dem inspirierenden Ansatz von „Gottes besondere Häuser“ freilich keinen Abbruch.

Hans Möhler: Gottes besondere Häuser. Eine Reise zu den ungewöhnlichsten Kirchen der Welt. Luther-Verlag, Bielefeld 2020, 152 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-7858-0766-8, EUR 20,–

Erschienen am 29. Oktober 2020 in der Zeitung „Die Tagespost“ (www.die-tagespost.de).

Fremde Frömmigkeit: in weiter Ferne so nah

In seinem neuen Buch erkundet der EKD-Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen „Die seltsamsten Orte der Religionen“. Tilman Asmus Fischer sprach mit ihm über dessen theoretische Grundlagen, die Fragwürdigkeit der Säkularisierungsthese und das Schicksal uigurischer Heiligenschreine.

Herr Claussen, der Titel Ihres Buches klingt ein wenig nach einer religiösen Raritäten- und Exotika-Sammlung. Was erwartet den Leser?

Mit dem Titel wollte ich Neugier wecken und die Leser weglocken von eingefahrenen Vorstellungen darüber, was Religion ist. Denn damit assoziiert man in Deutschland zunächst einmal nur die evangelische und katholische Kirche. Aber natürlich spiele ich in dem Buch auch etwas mit dem Exotischen, Touristischen, Überraschenden – auch mit dem Gruseligen manchmal. Es handelt sich jedoch nicht um eine Freak-Show. Denn bei aller Lesefreude geht es doch um ein ernsthaftes Anliegen, nämlich Religion in ihrer Breite und Tiefe einem deutschen Publikum zur Kenntnis zu geben.

Nur dass nicht unwesentliche Teile des deutschen Publikums der Meinung sind, Religion sei ein im Rückzug begriffenes Phänomen. Wozu dann seine „seltsamen Orte“ aufsuchen?

Erstens weiß ich nicht, ob die Religion tatsächlich im Rückzug begriffen ist. Da haben wir in Deutschland eine nur eingeschränkte Wahrnehmung. Zweitens stellt man selnst im Gespräch mit sich als säkular verstehenden Menschen fest: Es gibt auch für sie Orte von unbedingter Bedeutung – Räume und Naturgegebenheiten, die für sie mit letzten Bedeutungen verbunden sind. Manchmal zur eigenen Überraschung! Und da macht es doch Spaß, sich auf die Reise zu begeben und zu fragen: Was finden wir in der Ferne an Religion, die uns vielleicht zunächst fremd ist, uns dann jedoch Respekt abnötigt? Dann aber auch: Was finden wir an Religion, wenn wir uns in der eigenen Nachbarschaft – in Deutschland – umsehen? Vielleicht ist Religion uns ja viel näher, als wir manchmal meinen.

Dabei stellt sich freilich die Frage, was man unter „Religion“ versteht. Welchen Religionsbegriff legen Sie Ihrem Buch zugrunde?

Einerseits arbeite ich mit einem sehr weiten Religionsbegriff – andererseits aber auch wieder mit einem ganz engen. Weit ist, dass ich nicht nur evangelisches Christentum an anderen Orten aufsuche, sondern ganz unterschiedliche hinduistische, zen-buddhistische, aber auch charismatische Religionen oder Formen von Volksfrömmigkeit, die sich gar nicht mehr richtig zuordnen lassen. Eng ist, dass ich nur Orte aufgesucht habe, die von Menschen genutzt werden, die diese Nutzung als religiös beschreiben. Daher habe ich auf Orte wie Fußballstadien oder die Diskothek „Berghain“ verzichtet, auch wenn sie mir von einzelnen Gesprächspartnern nahegelegt wurden.

Nicht alle, aber viele der Orte, über die Sie schreiben, haben Sie selbst bereist. Gibt es dabei einzelne, die für Ihre persönliche Auseinandersetzung mit Religion besonders bedeutsam sind?

Als ich mich an das Buch machte, fragte ich mich, welche Orte für mich selber besonders relevant waren. Dabei kam ich auf zwei Ortsbegegnungen, die mir besondere Lust auf das Buch gemacht haben: Als ich nach meinem Examen ein Jahr als Hilfsprediger in Argentinien arbeitete und meine ersten Schritte auf dem pastoralen Weg beschritt, begegnete ich dem Kult der „Difunta Correa“, der inoffizielle Heilige der Lastwagenfahrer. Das war eine mir ganz fremde Art von Frömmigkeit, die mich faszinierte und nicht wieder losgelassen hat. Und dann kamen meine Frau und ich bei einem Portugal-Urlaub in das kleine Örtchen Belmonte und stellten mit Erstaunen fest: Hier leben ja die letzten Marranen, also Nachfahren der im Mittelalter aus Spanien geflohenen Juden, die dort unter einer ‚katholischen Decke‘ als Krypto-Juden überlebt hatten.

Zuletzt: Mit den Uiguren kommt in Ihrem Buch wiederum eine religiöse – muslimische – Gruppe in den Blick, die gegenwärtig Verfolgung leidet. Was erfährt der Leser über das Schicksal ihrer Schreine in der von Peking beherrschten Provinz Xinjiang?

Anders als der Mehrheitsislam kennen die Uiguren so etwas wie Heiligenverehrung. Diese drückt sich in für die Heiligen errichteten Schreinen aus: kleinen feinen Ast-Kreationen in der Natur – ähnlich minimalistischer Land Art –, aber auch großen Tempeln. Diese sind jedoch bedroht. Denn die Regierung in Peking kämpft einen Kampf gegen diese bezaubernden Schreine, um die uigurische Volkskultur zu zerstören: Die heiligen Orte werden vernichtet oder zu touristischen Ausflugszielen erklärt und damit komplett entfremdet.

Johann Hinrich Claussen, Die seltsamsten Orte der Religionen, C. H. Beck, München 2020, 239 Seiten, 20 Euro.

Erschienen in: „die Kirche“ – Evangelische Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz 43/2020.

Vom ‚einfachen Leben‘

Ein großer Roman über die Vergänglichkeit des Lebens – Gedanken auch zum 70. Todestag von Ernst Wiechert

Von Tilman Asmus Fischer

Die Folgen, welche die Corona-Pandemie in den vergangenen Wochen gezeitigt hat, sind nicht nur gesamtgesellschaftlicher – ökonomischer, sozialer und politischer – Art, sondern verfügen zugleich über eine individuelle, existenzielle Dimension: Zum einen schafft die plötzliche Entschleunigung des Alltags Raum, sich der Geschwindigkeit, Taktung und Unstetigkeit bewusst zu werden, die das Leben im ‚Normal‘-Zustand vor – und wohl auch nach – Corona prägen. Zum anderen werden wir in Gestalt der permanenten Thematisierung von Krankheit und Tod der Fragilität, Kontingenz und mithin der Endlichkeit unseres Lebens bewusst.

Quelle: Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft

Zentrale Aspekte beider Gedankengänge bringt der Beter von Psalm 90 (V. 9f.) zur Sprache: „Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz. Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.“ Es sind ebendiese Verse, die der Schriftsteller Ernst Wiechert ins Zentrum seines 1939 erschienenen Romans „Das einfache Leben“ gestellt hat. Auch über 80 Jahre danach – und vielleicht gerade im Frühjahr 2020 – lohnt es sich, das Buch neu zur Hand zu nehmen. In ihm führen die Worte „wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz“ für Marinekapitän Thomas von Orla in einer Krisensituation zur Neujustierung seines Lebens. Nach der moralischen Katastrophe des verlorenen Ersten Weltkriegs und angesichts des rastlosen Großstadtlebens entscheidet er sich, ein von körperlicher Arbeit und ethischen Reflexionen geprägtes Leben als Einsiedler auf einer Seeinsel in den masurischen Wäldern zu beginnen.

Freilich zielt Wiechert mit seinem Entwurf eines ‚einfachen Lebens‘ nicht auf ein heiteres Landidyll ab. Das liegt schon angesichts der biographischen Verortung des Romans fern, war die Arbeit an dem Buch für den NS-kritischen Autor doch immerhin Teil seiner Verarbeitung einer zweimonatigen Haft im Konzentrationslager Buchenwald 1938. Sind es für den von Wiechert gezeichneten Protagonisten in „Das einfache Leben“ auch die Verwerfungen des Ersten Weltkriegs, die der Bewältigung bedürfen, standen dem Autor selbst Einblicke in noch tiefere menschliche Abgründe vor Augen. (Explizit mit seinen KZ-Erfahrungen setzte sich Wiechert literarisch in seinem autobiographischen Bericht „Der Totenwald“ auseinander, der erst 1945 veröffentlicht werden konnte.)

Und so ist der Frieden, den Thomas von Orla am Ende des Romans findet, auch ein erfahrungsgesättigter – und dergestalt gezeichneter –, tiefernster Einklang mit der Schöpfung, die „ihren Gang“ geht: „Sie streute aus und sammelte wieder ein. Das Maß ihrer Ernte blieb immer gleich, weil das Maß ihrer Saat das gleiche blieb. Man trug seinen Helm und rührte seine Hände, und ab und zu konnte man den Helm abbinden und die Hände in den Schoß legen. Nicht oft, aber ab und zu. Und manchmal konnte man es in den Nächten über das Wasser blitzen sehen, einen stillen, rötlichen Schein, und konnte meinen, daß er von der goldenen Krone herrühre, die auf dem Grund lag. Und einmal auch, viel später, würde man vielleicht meinen können, daß man ein fröhliches Herz besitze.“

Wie Thomas von Orla sind die meisten Figuren der Romane und Novellen von Ernst Wiechert, dessen Todestag sich am 24. August zum 70. Mal jährt, hochkomplexe Persönlichkeiten, die sich – wie der Autor selbst – in äußeren und gerade auch inneren Konfliktlagen zu bewähren haben. Sie wiederzuentdecken, ist – nicht zuletzt für den heutigen Leser – ausgesprochen vielversprechend. Dies auch, da man auf diese Weise mit Wiechert einen anspruchsvollen christlichen Schriftsteller kennenlernt, der für das tröstliche und heilsame Potenzial von Religion eintritt, da sie sich für das Subjekt als hilfreich erweisen kann – wie etwa für Thomas von Orla durch einen Psalm, der als Selbstdeutungsangebot wirksam wird.

Beitrag für „Guardini akut“ (KW 18, 2020), ein Angebot der der Guardini Stiftung e.V. in der Corona-Krise:
https://www.guardini.de/projekte/guardini-akut/guardini-akut-kw-18-tilman-asmus-fischer.html

Evangelische Vielfalt

Ein aktueller kirchen- und architekturgeschichtlicher Führer erschließt das protestantische Erbe Polens – und damit auch Westpreußens

Zu einer Entdeckungsreise in das „neugläubige“ Polen lädt der Stadtarchitekt, Künstler und Verleger Marcin Żerański mit seinem Buch „Polen evangelisch“ ein. Der Führer zu Orten protestantischer Kirchengeschichte und Gegenwart war auf Polnisch bereits im Jahr des 500. Reformationsjubiläums 2017 unter Schirmherrschaft der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen erschienen. Nun liegt eine von Pfarrer Alexander Stokowski übersetzte Fassung vor, die auch deutschsprachige Leser anregen soll, den heutigen Protestantismus in Polen mit seiner polnisch-deutsch-österreichischen Geschichte (neben niederländischen und böhmischen Einflüssen) kennenzulernen.

St. Marien in Danzig: Die einstige große evangelische Stadtkirche ist heute katholisch.

Bereits in seiner Einführung unter dem programmatischen Titel „Evangelische Vielfalt“ wird deutlich, dass der Verfasser sich keinem nationalen Narrativ verpflichtet sieht, sondern vielmehr eine transnationale Perspektive wagt: „Die evangelischen Christen in Polen sind nicht nur Erben ihrer evangelischen Landsleute, sondern auch jener Protestanten, die aus ganz Europa und aus unterschiedlichen Gründen in das Land zwischen Ostsee, Karpaten und Sudeten einwanderten. Obwohl die evangelischen Gemeinden des Landes eigentlich aus derselben Quelle schöpfen, unterscheiden sie sich dennoch in den verschiedenen Regionen des Landes durch ihre Geschichte, ihre Tradition und auch durch ihre Kirchenbauten.“

Es entspricht der Profession des Autors – der hinsichtlich kirchengeschichtlicher Fragen von dem lutherischen Theologen Dr. habil. Jerzy Sojka beraten wurde –, dass sein Buch die Spurensuche nach protestantischem Leben in Vergangenheit und Gegenwart mit einer besonderen Berücksichtigung der Architekturgeschichte verbindet. Zunächst gibt das Buch allerdings auch eine theologisch-kirchengeschichtliche Einführung, die einen Überblick über die „Regionen des heutigen Polen im Jahre 1517“ bietet und dann in Form einer Zeittafel die Geschichte des „Protestantismus auf dem Gebiet des heutigen Polen“ seit der Ansiedlung deutschsprachiger Waldenser in Schweidnitz 1315 skizziert. Beschlossen wird die Einleitung von einer Darstellung der gegenwärtigen evangelischen Kirchen in Polen.

Der Hauptteil des Buchs behandelt in einzelnen Kapiteln Orte mit protestantischer Geschichte und gegenwärtigen evangelischen Gemeinden. Diese werden in sachkundigen Texten dargestellt, die mit – vom Verfasser eigens gestalteten – Darstellungen einzelner Kirchen und Stadtplänen illustriert sind: Das Buch taugt somit als hilfreicher Begleiter bei Stadtspaziergängen. Gegliedert sind die Kapitel in vier Sektionen zum Nordwesten, Nordosten, Südosten und Südwesten Polens. Diese Disposition bestätigt für das untere Weichselland die oftmals angestellte Beobachtung, dass die historische Provinz Westpreußen heute – auf mehrere Woiwodschaften aufgeteilt – kaum noch eine selbstverständliche geschlossene Erinnerungslandschaft im Bewusstsein der Öffentlichkeit darzustellen vermag. Vielmehr finden sich Danzig, Gdingen, Schlochau, Schöneck (in Westpreußen) sowie Tiegenhof (und das Weichseldelta) unter „Nordwesten“; Bromberg, Groß Nessau (Kreis Thorn), Marienwerder und Thorn hinwiederum unter „Nordosten“.

Ebenso vielfältig wie die dargestellten Orte sind die Zugänge zu thematischen und epochenspezifischen Schwerpunkten, die sich mit ihnen verbinden. Steht das Kapitel zu Danzig ganz im Zeichen der mittelalterlichen Reformationsgeschichte, beleuchtet das Kapitel über Gdingen ein weniger bekanntes Kapitel der kirchlichen Zeitgeschichte: die 1930 bis 2006 bestehende Schwedische Seemannsmission und ihre 1936 errichtete Schwedische Seemannskirche. Mit Blick auf das täuferische Erbe in Westpreußen begnügt sich der Führer nicht mit einem Hinweis auf den „Historischen Park des Weichseldeltas“ in Tiegenhof, sondern erschließt mannigfache Spuren der Mennoniten entlang eines Radwegs, der durch das Danziger, Marienburger und Elbinger Werder von Danzig nach Elbing führt.

Gefördert wurde die Veröffentlichung des Buchs von der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und dem Gustav-Adolf-Werk, dem Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland. Damit ist das Buch zugleich ein Beispiel für die gedeihliche grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen den evangelischen Kirchen in Deutschland und Polen, deren besondere Bedeutung von hochrangigen Vertretern beider Kirchen anlässlich des diesjährigen Weltkriegsgedenkens neuerlich betont wurde.

Tilman Asmus Fischer

Marcin Żerański, Polen evangelisch. Eine Entdeckungsreise, Teschen 2019
288 Seiten, € 20,–, ISBN: 978-3-87593-133-4
Das Buch kann in Deutschland über das Gustav-Adolf-Werk e. V. bezogen werden: http://www.gustav-adolf-werk.de

Erschienen in: Der Westpreuße – Begegnungen mit einer europäischen Kulturregion 6/2019.