Ein kantiger Ökumeniker

Jobst Schöne, Altbischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, ist am 22. September verstorben

Von Tilman Asmus Fischer

Bereits am 22. September ist in Berlin Jobst Schöne im Alter von 89 Jahren heimgerufen worden. Von 1985 bis 1996 amtierte er als Bischof der Selbständigen Evangelisch- Lutherischen Kirche (SELK). Jobst Schöne gehörte zu den prägenden Perönlichkeiten der SELK nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und in der Wendezeit. Sowohl als Prediger als auch als Wissenschaftler strebte Schöne bis ins hohe Alter nach der Erschließung des Wesens lutherischer Theologie sowie nach dessen Vermittlung. So gab er etwa 2017 Martin Luthers „Kurtz Bekenntnis vom heiligen Sacrament“ (1545) als Faksimile und von ihm selbst besorgte Übertragung ins heutige Deutsch heraus.

Nachdem Jobst Schöne bereits 1968 durch die Universität Münster promoviert worden war, verlieh ihm 1978 das US-amerikanische Concordia Theological Seminary in Fort Wayne (Indiana) die Ehrendoktorwürde. Es mag auf Seiten des kirchenleitenden Wirkens seinem akademischen Interesse am ekklesiologischen, liturgischen und sakramententheologischen Fragen entsprochen haben, dass in seiner Amtszeit als Bischof sowohl die Erarbeitung des Evangelisch-Lutherischen Kirchengesangbuches als auch diejenige der Evangelisch-Lutherischen Kirchenagende für die SELK fiel.

Als selbstbewusster Vertreter seiner Kirche war Schöne zugleich ein Ökumeniker, der ebenso um die Verbundenheit mit anderen protestantischen beziehungsweise christlichen Kirchen bemüht war, wie er bewusst Spannungen einging. Diese betrafen nicht zuletzt theologische Differenzen zu den Gliedkirchen der EKD – vor allem in der Frage der Frauenordination, die Schöne in grundsätzlicher Weise ablehnte. Zugleich konnte er jedoch die zwischenkirchliche Kooperation in einzelnen Handlungsfeldern wertschätzen. So war ihm etwa sehr an der Mitwirkung des Diakonischen Werks der SELK als Mitglied im Diakonischen Werk der EKD gelegen.

Nach seiner Emeritierung – in deren Anschluss er nach Berlin zurückkehrte, wo er bereits vor 1985 als Pfarrer und Superintendent gewirkt hatte – konnte man ihn etwa als diskussionsfreudigen Teilnehmer bei Veranstaltungen des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg erleben. Ebenso trat er immer wieder mit akademischen wie populären Veröffentlichungen in Erscheinung – bisweilen auch mit Kolumnen in der „Bild-Zeitung“, mit deren Begründer Axel Springer ihn eine lange seelsorgerliche Freundschaft verbunden hatte. Seinen Lebensabend verbrachte Jobst Schöne gemeinsam mit seiner Frau Ingrid im Zehlendorfer Fischerhüttenweg.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 41/2021.

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