Verhältnis von Kirche und Staat

Das Berliner Institut für vergleichende Staat-Kirche-Forschung besteht seit 25 Jahren

Von Tilman Asmus Fischer

1991 begegneten sich auf einer Tagung in Berlin zwei Männer, die sich zuvor lediglich als Autorennamen kannten: Horst Dähn, ein Westdeutscher, vom kurz vor der Auflösung stehenden Arbeitsbereich Geschichte und Politik der DDR an der Universität Mannheim und der Ostdeutsche Joachim Heise, von 1979 bis zu deren Abwicklung 1990 Mitarbeiter an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED. Beide verband das gemeinsame Interesse an der Kirchenpolitik der SED.

DDR-Staatsratsvorsitzender Erich Honecker (r.) begrüßt Bischof D. Dr. Albrecht Schönherr (l.) bei einem Empfang für den Vorstand der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR am 6. März 1978.
(Foto: Bundesarchiv, Bild 183-T0306-0027 / Koard, Peter / CC-BY-SA 3.0)

Rasch entwickelte sich aus dieser Ost-West-Begegnung nicht nur eine persönliche Freundschaft, sondern zudem die Idee, eine Institution ins Leben zu rufen, die das gemeinsame Forschungsfeld bearbeiten sollte: 1993 gründeten sie die Gesellschaft zur Förderung vergleichender Staat-Kirche-Forschung als Trägerin des Berliner Instituts für vergleichende Staat-Kirche-Forschung. Heute steht ihr der frühere provinzsächsische Landesbischof Axel Noack vor. Das Institut befasst sich seither nicht nur mit der staatlichen Kirchenpolitik und den Kirchen in der DDR, sondern vergleichend auch mit entsprechenden Entwicklungen in anderen sozialistischen Staaten und darüber hinaus mit grundsätzlichen Fragen des Verhältnisses von Staat und Kirche.

In den zurückliegenden 25 Jahren haben der 2012 verstorbene Horst Dähn und Joachim Heise gemeinsam mit ihren Unterstützern und Mitstreitern vielfältige wissenschaftliche Aktivitäten entfaltet und für die kulturelle Breitenarbeit fruchtbar gemacht: Neben Zeitzeugengesprächen, Vortragsveranstaltungen und Kolloquien traten bald unterschiedliche Publikationen und schließlich mehrere selbstkuratierte Ausstellungen, etwa zum Thema „Atheismus in der DDR“. Zudem berät das Institut Wissenschaftler bei ihren Forschungsvorhaben und stellt zu deren Unterstützung auch seine Fachbibliothek zur Verfügung. Seit diesem Jahr steht dem ausschließlich auf Spendenbasis arbeitenden Institut die Ursula-und-Horst-Dähn-Stiftung als Förderin zur Seite, die von der Ehefrau des verstorbenen Gründers eingerichtet wurde.

Dass sich das Institut in einem Vierteljahrhundert so entwickeln und etablieren konnte, war keine Selbstverständlichkeit. „Viele dachten sich: Bei den Leuten, die hinter dem Institut stehen, kann das nur was Übles sein“, erinnert sich Joachim Heise. Denn neben ihm, der für die SED-Akademie arbeitete, hatten auch viele seiner Mitstreiter eine Vergangenheit, die sie nicht zwingend für eine Aufarbeitung der DDR-Geschichte zu prädestinieren schien: Horst Dohle, mit dem Heise gemeinsam eine Quellenedition zur Kirchenpolitik der SED herausgab, war im DDR-Staatssekretariat für Kirchenfragen tätig. Und Generalsuperintendent Günter Krusche, Gründungsvorsitzender der Trägergesellschaft, wurde 1992 wegen bekannt gewordener Verstrickungen in die Arbeit der Staatssicherheit in den Vorruhestand versetzt.

Mit dieser schweren Hypothek nahm das Institut seine Arbeit auf: „SED-Altkader und Christenfunktionäre kontrollieren die Vergangenheitsbewältigung der DDR-Kirche“ titelte etwa der „Spiegel“ 1994. Im Rückblick hat sich hingegen zunehmend die Überzeugung durchgesetzt, dass es dem Institut weniger um Kontrolle als vielmehr um Aufarbeitung der – eigenen – Vergangenheit ging. Er selbst habe sich der Geschichte gestellt, sagt Heise heute exemplarisch über sich: „Dabei habe ich mich vom ideologischen Ballast der DDR befreit.“ Und die Arbeit geht weiter: Gegenwärtig ist ein Sammelband über Freikirchen in der DDR in Arbeit und für 2019 sind zwei Kolloquien zum Jahr 1989 in der DDR und in Osteuropa geplant.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 49/2018.

Weitere Informationen über das BISKF: http://www.staat-kirche-forschung.de

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