Zukunftswerkstatt unserer Kirche

Nach Jahren der Ungewissheit ist der Erhalt des Theologischen Konviktes in der Borsigstraße in Berlin-Mitte gesichert: Durch einen 60 Jahre laufenden Erbbaurechtvertrag hat die EKBO die Sanierung und den Mietbetrieb an die evangelische Hilfswerk-Siedlung GmbH (HWS) übertragen. Am 22. April fand eine symbolische Schlüsselübergabe statt. Über die Perspektiven des geschichtsträchtigen Ortes sprach Tilman Asmus Fischer mit Wolf Krötke, ab 1973 Dozent am „Sprachenkonvikt“ und Vorsitzender des Vereins „Konvikt Borsigstraße 5 e.V.“

Herr Krötke, welche Bedeutung hat der Erhalt des Konviktes für die kirchliche Landschaft Berlins?

Das Konvikt ist ein evangelisches Studierendenzentrum im Herzen der Hauptstadt Deutschlands. Es ist eine Zukunftswerkstatt unserer Kirche. Studierende der Theologie und anderer Fachrichtungen leben und lernen hier im Geiste des christlichen Glaubens gemeinsam. Die Studierendengemeinde ist hier angesiedelt.

Was bedeutet die Perspektive, die sich nun für das Konvikt eröffnet, für das Engagement des Fördervereins?

Im Jahre 2009 plante die EKBO, das Konvikt zu verkaufen. Das geschah nicht, weil die Konviktualen dagegen protestierten und sich unser Förderverein seit 2010 nachhaltig und kontinuierlich für die Erhaltung des Konvikts und die Bewahrung seines evangelischen Profils eingesetzt hat. Jetzt ist dieser Vereinszweck erfüllt. Wir sind dankbar, dass unser Engagement Erfolg hatte und dass das Konvikt nun durch die Hilfswerksiedlung saniert wird.

Wie steht es um die Perspektive der Umsetzung dieser Sanierung?

Das wird lange dauern. Das Konvikt besteht aus mehreren Häusern, die eines nach dem anderen saniert werden. Das Konvikt wird erst einmal eine Baustelle sein – vielleicht bis 2021. Gut ist aber, dass nicht alle Häuser leergezogen werden müssen. Die schrittweise Sanierung ermöglicht es, dass das Konvikts leben auch während der Bauphase weitergehen wird.

Das Konviktsleben: Wie wird es sich, unabhängig von Beeinträchtigungen durch die Baumaßnahmen, unter der neuen Trägerschaft organisieren und gestalten?

Die Hilfswerksiedlung wünscht, dass sie ein Gegenüber hat, welches das Leben im Konvikt gestaltet. Es muss Regeln des Zusammenlebens der Studierenden geben. Das geistliche Leben verlangt nach Gestaltung. Veranstaltungen, Hausübungen, Rüstzeiten, Feste und so weiter sind zu organisieren. Auch die rechtliche Vertretung der Studierenden nach außen ist erforderlich. Natürlicherweise wäre dafür eigentlich die Landeskirche zuständig, die bisher Träger war. Aber die möchte das nicht. Darum soll ein weiterer Verein gegründet werden, der dafür zuständig ist und dessen Mitglieder die hier wohnenden Studierenden und Förderer sind. Ich finde es sehr wichtig, dass in diesem Verein das Amt des Ephorus gebührendes Gewicht bekommt. Denn bei einer ständig wechselnden Studierendenschaft ist Kontinuität der Gestaltung des Konviktslebens erforderlich.

Der Förderverein hat vor dem Konvikt eine Gedenkstele errichtet. Sie erinnert daran, dass das „Sprachenkonvikt“ in der DDR-Zeit ein Ort freier theologischer Bildung und politischen Engagements war. Wird das Gebäude nach der Sanierung noch von seiner Geschichte erzählen?

Das äußere Erscheinungsbild bleibt erhalten. Die gesamte Anlage steht unter Denkmalschutz. Wir aber wollen in den Tordurchfahrten, die wir restaurieren ließen, Informationstafeln zur Geschichte dieses Hauses anbringen. Allen, die in das Konvikt einziehen, sollen sie sagen: Wir leben hier an einem Ort, dessen freiheitliche Tradition aus dem Geist des christlichen Glaubens für unser eigenes Leben Verpflichtung ist.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 17/2018.

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