Auf ein Wort: 60 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung

Tilman Asmus Fischer
Stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Westpreußen

2017 schaut der Bund der Vertriebenen auf seine Gründung im Jahre 1957 zurück. Nicht umsonst steht der Tag der Heimat unter dem Motto: „60 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung“. Diese begriffliche Trias verdeutlicht die Vielfalt der Arbeit, die der BdV und die ihm angeschlossenen Verbände seit Jahrzehnten leisten: Sie war niemals allein nur Vertriebenenpolitik, nur Kulturarbeit oder nur Verständigungspolitik.

Das Eintreten für die Rechte deutscher Heimatvertriebener, Flüchtlinge und Aussiedler – der Einsatz für die Bewahrung des heimatlichen Kulturerbes – das aufrichtige Bemühen um Verständigung mit den Nachbarvölkern, all dies gehört untrennbar zusammen. Auf nur eines dieser Ziele lässt sich die Gesamtheit der deutschen Vertriebenen weder von ihren Kritikern noch von einzelnen Akteuren reduzieren, die ihrerseits versuchen, sie für ihre politische Agenda zu vereinnahmen.

Mit ihrem Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung haben die Vertriebenen und Aussiedler in verschiedenen Phasen der bundesdeutschen Geschichte jeweils eigene Akzente im öffentlichen Diskurs gesetzt – ja, das Gesicht unseres Landes mitgeprägt: In den frühen Jahren der Bonner Republik standen vor allem sozialpolitische Forderungen im Zentrum; angesichts des hohen Risikos der Altersarmut unter Spätaussiedlern haben sie zuletzt wieder an Bedeutung gewonnen. In Jahren, als Teile der deutschen Bevölkerung begannen, sich mit dem realexistierenden Sozialismus im östlichen Europa abzufinden, verbanden die Vertriebenen mit der Forderung nach Recht auf Heimat diejenige nach Freiheit und Demokratie für den ganzen Kontinent. Parallel hierzu trieben Deutsche aus dem Osten die Erforschung und Bewahrung des Kulturerbes der Landschaften zwischen Ostsee, Adria und Schwarzem Meer voran. Vor und nach dem Ende der kommunistischen Gewaltherrschaft waren es Vertriebene und Flüchtlinge, die steten Kontakt zu den alten und neuen Bewohnern ihrer Heimat hielten – und damit die europäische Integration wesentlich förderten.

Aufgrund ihres langjährigen und nachhaltigen zivilgesellschaftlichen Engagements sind Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler längst in der bundesdeutschen Gesellschaft angekommen – ihre Ziele gelten zumindest den Unionsparteien als „Kernanliegen“, und in der letzten Ausgabe dieser Zeitung bezeichnete der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes die Betreuung von Spätaussiedlern als „Regelaufgabe“ der Kirchen. Dass ihre Anliegen inzwischen „Kernanliegen“ und „Regelaufgaben“ geworden sind, können Vertriebene und Aussiedler gewiss als Indiz für ihre gesellschaftliche und politische Etablierung verbuchen. Dabei bergen „Kernanliegen“ und „Regelaufgaben“ aber immer auch das Risiko, dass sie zur Routine werden und sich irgendwann unter „ferner liefen“ finden.

Daher gilt es, nach 60 Jahren des Einsatzes für Menschenrechte, Heimat und Verständigung die bleibend aktuelle – und nicht nur beiläufige – Bedeutung dieser Maximen zu betonen: Angesichts weltweiter Zwangsmigration ist die Forderung „Heimatrecht ist Menschenrecht“ von anhaltender Brisanz. Spätaussiedler stellen auch heute noch eine der größten Migrantengruppen unseres Landes dar, deren Integration es weiterhin zu vertiefen gilt – im Sinne gesellschaftlicher Stabilität und Pluralität. Und letztlich: Angesichts der neuen Spannungen zwischen westlichen und östlichen Mitgliedsstaaten der EU, braucht es auch heute noch die Hand der Vertriebenen, die sich den östlichen Nachbarn entgegenstreckt – unabhängig davon, wie sich das politische Klima zwischen Berlin und Warschau darstellt.

Erschienen in: Der Westpreuße – Unser Danzig 9/2017.

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