Ernst Hornig – ein widerständiger Christ

Vor 40 Jahren starb der erste Nachkriegs-Bischof der Evangelischen Kirche von Schlesien

Von Tilman Asmus Fischer

1928 wurde der am 25. August 1894 im schlesischen Kohlfurt geborene Ernst Hornig als Pfarrer der Breslauer St.-Barbara-Kirche eingeführt. Wer konnte zu dieser Zeit ahnen, dass sich der junge Theologe als kirchliche Führungspersönlichkeit der schlesischen Protestanten im Nationalsozialismus, im Krieg und in der Nachkriegszeit bewähren sollte?

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Ernst Hornig (Foto: privat)

Nach seiner Schulzeit an Gymnasien in Breslau und Glogau hatte Hornig als Soldat den Ersten Weltkrieg erlebt. Das Studium der evangelischen Theologie führte ihn zwischen 1918 und 1922 nach Halle und neuerlich nach Breslau, bevor er 1923 Vikar in Waldburg wurde. Nach seiner Ordination erhielt er im Folgejahr eine Pfarrstelle in Friedland. Die Breslauer St.-Barbara-Kirche, deren Pfarrer er 1928 wurde und bis 1946 bleiben sollte, war die Wirkungsstätte, von der aus er die Zeit des Nationalsozialismus, Weltkrieges und der Vertreibung bestehen sollte.

Als sich im September 1933 der Pfarrernotbund konstituierte, gehörte Ernst Hornig zu seinen Mitbegründern. Ab 1933 stand er dem schlesischen Pfarrernotbund vor und saß von 1934 sowohl im preußischen Bruderrat als auch im Rat der Bekennenden Kirche Schlesiens. Der Diktatur – und den ihr ergebenen „Deutschen Christen“ – widerstand Hornig in Wort und Tat: Er solidarisierte sich nicht nur mit Amtsbrüdern, deren KZ-Haft er im September 1944 abkündigte – auch rettete er mehrere jüdische Schlesier vor der Verfolgung durch den Staat. Den nationalsozialistischen Machthabern war der Breslauer Pfarrer ein Dorn im Auge: 1934 und 1937 wurde er verhaftet und mehrfach mit juristischen Verfahren überzogen – allein die Abkündigung der inhaftierten Theologen führte zu einer Geldstrafe von 1000 Reichsmark. 1938 erfolgte schließlich die Ausweisung aus der Provinz Brandenburg und der Reichshauptstadt Berlin.

Dennoch blieb Hornig ein wichtiger kirchenpolitischer Akteur. Nicht zuletzt, als die Schrecken des Krieges Schlesien heimsuchten: Als Breslau 1945 bereits von sowjetischen Truppen eingekesselt war, verhandelte Hornig – der sich dem Evakuierungsbefehl widersetzt hatte – im Mai an der Spitze einer gemeinsamen Abordnung der evangelischen und katholischen Kirche mit dem in Breslau kommandierenden Wehrmachtsgeneral Hermann Niehoff über eine Übergabe der zur Festung erklärten Stadt. Durch die Kapitulation Niehoffs am 6. Mai konnten der Zivilbevölkerung weitere Kampfhandlungen erspart bleiben.

Wie keine andere Person der kirchlichen Zeitgeschichte steht Hornig sowohl für das Ende der historischen preußischen Kirchenprovinz Schlesien, als auch für den Neubeginn des schlesischen Protestantismus im Restteil Schlesiens westlich der Oder-Neiße-Linie, der nach Kriegsende zur Sowjetischen Besatzungszone gehörte: Von 1945 bis zu seiner Ausweisung 1946 führte Hornig noch in Breslau als Vorsitzender die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Schlesien und damit die noch in Schlesien verbliebenen deutschen Protestanten.

Nach der Ausweisung beschränkte sich sein Wirken auf den westlich der Neiße gelegenen Teil Schlesiens und seiner Landeskirche. Fortan sollte Görlitz zu seiner neuen Wirkungsstätte werden: Von hieraus war er ab 1946 als Bevollmächtigter des Hilfswerks der Evangelischen Kirche von Schlesien und als Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche der Union (heute Union evangelischer Kirchen) tätig. Am 23. Juli erfolgte seine Berufung zum Bischof durch die Landessynode. In dieser Funktion war er bis 1963 in Görlitz ansässig.

Seinen Ruhestand verbrachte Hornig – befasst mit der publizistischen Aufarbeitung des Kirchenkapfes und der Kirchengeschichte seiner schlesischen Heimat – ab 1964 in Bad Vilbel-Heilsberg. Am 5. Dezember 1976 erlag er den Folgen eines Unfalls.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 49/2016.

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