Auf den Spuren christlichen Glaubens

Hans-Gerd Krabbes „Glaubensbuch“ bietet spannende Ansätze, die jedoch auf der Strecke bleiben

Von Tilman Asmus Fischer

„Was will mir der Verfasser sagen?“ Wenn diese Frage während der Lektüre eines Buches aufkommt und bedacht wird, kann sie Ausgangspunkt einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Gelesenen sein, an deren Ende ein tieferes Verständnis für die Gedanken des Autors steht. In einen solchen Prozess tritt unweigerlich der Leser von Hans-Gerd Krabbes „Glaubensbuch“ „Christlichen Glauben bekennen: nach dem Apostolikum“ ein.

Die etwa 80 Seiten strukturieren sich anhand zentraler Texte des christlichen Glaubens: dem Apostolicum, den zehn Geboten, dem Vater Unser und dem Missionsbefehl. Indem der Leser die einzelnen Abschnitte durchschreitet, begegnet er einer Vielfalt von Gedanken, die der Autor ausgehend von den zugrunde gelegten Texten entwickelt. Dabei lassen sich im Wesentlichen zwei miteinander verschränkte Herangehensweisen unterscheiden, mit denen sich Krabbe dem christlichen Glauben nähert: Zum einen erschließt er in dogmatischer Hinsicht exemplarisch einzelne Worte der biblischen und kirchlichen Überlieferung. Zum anderen spürt er menschlichen Empfindungen nach und erschließt damit auf menschlicher Erfahrung beruhende Zugänge zum Glauben.

Leider treten jedoch in der Regel die implizierten Argumentationsgänge nicht zu Tage. Der Verfasser scheint einzelne Gedanken assoziativ zu verknüpfen. Dabei droht der Leser auf der Strecke zu bleiben und sich am Ende der Lektüre immer noch zu fragen, was der Verfasser ihm nun genau sagen will? Dies wird dadurch verstärkt, dass Krabbe keine erkennbare Zielgruppe anspricht: Werden an einigen Stellen theologische Überlegungen vorausgesetzt, die man bei einem Leser, der gerade in den Glauben eingeführt werden will, nicht voraussetzen kann, so entwickelt das Buch jedoch durchgehend auch keine konzisen theologischen Gedankengänge, die für die Lektüre durch einen theologisch gebildeten Leser fruchtbringend sind. Hinzu kommen unvermittelte Exkurse zu Fragen wie der Jungfrauengeburt, der Kindertaufe oder der Marien-Verehrung, deren Sinn und Zweck in der Gesamtkomposition unklar bleiben. Das ist umso bedauerlicher, als der Autor – dies lassen einige Stellen erkennen – durchaus dem Leser etwas zu sagen hätte: Dies ist der Fall etwa bei seinem klaren Eintreten für ein gemeinsames ökumenisches Bewusstsein aller Kirchen als eine „im Herrn einige“ Kirche.

Dies gilt aber auch für seine Reflexionen zur Notwendigkeit des persönlichen Bekenntnisses angesichts des Gerichtes: „Dass wir alle dem Gericht Gottes entgegenleben und entgegensterben, davon sollten wir ausgehen, ein jeder für sich, und davon, dass wir alle Jesus Christus als unseren Fürsprecher (1. Johannes 2, 1) wahrlich brauchen und nötig haben!“ Dass Krabbe „sperrige“ Kategorien wie das Gericht nicht ausspart, ist ihm hoch anzurechnen. Mehr von dem zu erfahren, was er uns über sie sagen will, wäre wünschenswert gewesen.

Hans-Gerd Krabbe: Christlichen Glauben bekennen: nach dem Apostolicum, Edition Glauben und Leben, Münster 2016, ISBN 978-3-944804-06-4, 82 Seiten, 14,90 Euro

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 34/2016.

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