Kleine Kirche mit großem Ziel

Etwa 16.000 Gemeindeglieder in 14 Gemeinden umfasst die kleine Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien. Leon Novak, Pfarrer in Murska Sobota im Über-Mur-Gebiet – dem Stammland der slowenischen Lutheraner –, spricht im Interview mit Tilman Asmus Fischer über die aktuelle Situation und die missionarische Arbeit in der Diaspora.

Herr Novak, was bedeutet es, als Pfarrer in der Diaspora berufen zu sein?

Wenn man sich als Pfarrer von Gott berufen fühlt, heißt das, nicht nur Gott, sondern auch den Mitmenschen zur Verfügung zu stehen. Das ist nicht immer angenehm, da es enorm viel Zeit in Anspruch nimmt, aber dazu ist man von Gott berufen worden: Dass man das Evangelium mit den Leuten, die fröhlich und gesund sind teilt – aber auch denen, die traurig und krank sind.

Wie gelingt das unter den Lebensbedingungen einer Minderheitenkirche?

Unsere Kirche ist sehr klein: Wir stellen etwa 0,8 Prozent der Bevölkerung dar. Auf der anderen Seite hat sie jedoch einen guten Ruf. Den haben wir vor allem unserem Altbischof zu verdanken, der über lange Zeit die Kirche skandalfrei führte, aber auch der neuen Kirchenführung. Wir versuchen jetzt, in unserer kleinen Kirche zu überleben. Das heißt: Wir wollen missionarisch wirken, um die Menschen für das Evangelium und die Kirche zu begeistern. Das heißt, dass die Gemeinden vor Ort gute Angebote machen, die die Leute im 21. Jahrhundert ansprechen.

Was bedeutet das konkret für Ihre eigene Gemeinde?

Meine Gemeinde liegt in Murska Sobota,der Bezirkshauptstadt unserer Region, und hat etwa 2.000 Mitglieder. Mit sechs Mitarbeitern, von denen einige auch eine theologische Ausbildung haben, habe ich ein kompetentes Team gebildet, in dem jeder seinen Aufgabenbereich hat und eigenverantwortlich Projekte betreut. Jede Woche kommen wir zu einer Sitzung zusammen, analysieren die Entwicklungen, planen Gottesdienste und beraten, wie wir unsere Visionen umsetzen.

Welche Angebote für Gemeinde und Mitmenschen sind hieraus entstanden?

Es gibt drei Glaubenskurse, zwei für Frauen, einen für Männer. Daneben bieten wir für Kinder Kindergottesdienste und Workshopsan, zudem Gitarrenkurse und Englischkurse. Wir haben spezielle Gottesdienste für junge Familien mit Kindern entwickelt. Durch Theateraufführungen, sowie Chor- und Bandauftritte sind auch die Jugendlichen in unser Gemeindeleben integriert. Nach jedem Gottesdienst bieten wir ein Beisammensein beim Kirchencafé an – so versuchen wir, eine persönliche Beziehung zu denjenigen aufzubauen, die das erste Mal oder nicht regelmäßig den Gottesdienst besuchen.

Wie werden diese Angebote von der örtlichen Bevölkerung angenommen?

An und für sich ganz gut. Wir merken, dass wir langsam wachsen. Es schließen sich uns Menschen an, die zuvor nichts mit dem Glauben zu tun hatten. Das freut uns und ermutigt uns, weiter in diese Richtung zu arbeiten und zu denken.

Strahlt dieser Erfolg auf andere Gemeinden Ihrer Kirche aus?

Einige Pfarrer der jüngeren Generation schließen sich unserer Arbeit an, interessieren sich für unsere Konzepte und wir erklären ihnen, wie wir arbeiten. Wir helfen ihnen, ähnliche Strukturen in ihren Gemeinden aufzubauen.

Wie missionarisch kann und sollte Kirche heute sein?

Die Kirche muss missionarisch sein – sonst ist sie keine Kirche. Der Auftrag von Jesus Christus lautet ja, das Evangelium in die Welt zu tragen und Menschen zum Glauben zu begleiten und zu taufen. Dieser Auftrag muss in Liebe und gegenseitiger Wertschätzung, auch gegenüber Andersgläubigen und Nichtgläubigen, ausgeführt werden. Aber er muss ausgeführt werden.

Das Interview entstand im Rahmen der Tagung „Evangelisches Leben in Österreich und Slowenien“ des Gustav-Adolf-Werks der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Eine während der Tagung gesammelte Kollekte für die Fassadensanierung eines Gemeindezentrums im slowenischen Apace erbrachte 221,50 Euro. Eine Unterstützung ist auch über das Spendenkonto des GAW der EKBO möglich: IBAN: DE80 5206 04100003 9013 60, BIC: GENODEF1EK1, Stichwort „Apace“.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 13/2016.

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