Gelassenheit, Mut und Weisheit

In meiner Kindheit schenkte mir mein Großvater einen gerahmten Druck des bekannten Gelassenheitsgebetes: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Diese Worte begleiten mich nun schon seit langer Zeit – anfangs wohl eher noch als eine Lebensweisheit, die zu vernünftigen Tugenden ermuntert: Gelassenheit, Mut und Weisheit.

Mit der Zeit habe ich jedoch erfahren, dass die Tugenden für denjenigen, der das Gebet spricht, einen Grund haben, der für uns unverfügbar ist: Natürlich können wir uns vernünftig bemühen, zur rechten Zeit gelassen oder mutig zu sein. Dies versuche ich tagtäglich – ob in der journalistischen Arbeit, im politischen Ehrenamt oder angesichts persönlicher Herausforderungen. Ich habe aber gelernt, dass wir gelassen und mutig sein dürfen, weil wir selbst weder Schöpfer aller Dinge sind, noch das letzte Wort haben. Da ist ein Dritter: Gott, von dem Luther sagt, „dazu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen Nöten“.

Zu Mut und Gelassenheit befähigen wir uns nicht selbst, sondern dazu werden wir befähigt. Den, der uns dabei trägt, bitte ich mit dem Gebet immer wieder um die notwendige Einsicht.

Tilman Asmus Fischer

Erschienen im Rahmen der Artikelreihe „Christen sprechen über ihren Glauben“ in: Frohe Botschaft. Evangelische Monatszeitschrift, 117. Jahrgang, 6. März 2016, Lätare / 4. Sonntag der Passionszeit.

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