Aufrecht trotz Verfolgung

Der Tannenberger Pfarrer Johannes Ackermann und die Bekennende Kirche

Immer wieder wird zu Jahrestagen der Entstehung der Bekennenden Kirche und ihrer historischen Rolle im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte gedacht – dies zunehmend auch aus kritischer Perspektive. Namen wie Bonhoeffer, Barth, Gollwitzer gehören zu protestantischer Allgemeinbildung. Dabei stellt sich immer wieder aufs Neue die Herausforderung, auszubuchstabieren, was es bedeutet hat, in den Jahren 1933 bis 1945 zur Bekennenden Kirche zu gehören: Für einzelne Gemeinden, für ihre Gläubigen und Amtsträger.

Dies in einer mikrohistorischen Studie für eine exemplarische Gemeinde im Erzgebirge nachvollzogen zu haben, ist das Verdienst des unlängst erschienenen Buches „In Acht und Bann: Lic. Johannes Ackermann (1900–1942)“. Der seit 1927 in Tannenberg als Pfarrer tätige Theologe gehörte von Beginn an zur Bekennenden Kirche innerhalb der – den Deutschen Christen erlegenen – sächsischen Landeskirche. Anhand von Quellen und Zeitzeugenberichten zeichnet das Buch entlang der Biografie Ackermanns Kirchenspaltung und Kirchenkampf in Gemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche nach. Aufgrund der kundigen historischen Einführungen und Kontextualisierungen des Verfassers ist es auch für Leser ohne tiefere Kenntnis der neueren Kirchengeschichte gut lesbar.

Bereits 1935 musste Ackermann aufgrund seines Eintretens gegen den von den Nationalsozialisten propagierten „Deutschen Glauben“ KZ-Haft erleiden. Zurück in seiner Gemeinde, erfolgte 1939 die Suspendierung durch die Landeskirche – Grund: seine christlich-theologisch motivierte Kritik an der „Reichspogromnacht“ in der Silvesterpredigt mehrere Wochen später. Nach zermürbendem Ringen mit staatlichen und kirchlichen Stellen ebenso wie mit der eigenen Gemeinde – und nach dem vergeblichen Bemühungen um eine berufliche Alternative in der Kirche – trifft der Bekenntnispfarrer eine folgenschwere Entscheidung: Er meldet sich zum Kriegsdienst. Ab 1940 ist er in Frankreich, dann in Russland stationiert. Hier fällt Ackermann an der Front im Jahre 1942.

Verfasser des Buches ist Gerhard Ackermann, der Sohn Johannes Ackermanns. Der Physiker, zuletzt Präsident der Berliner Beuth-Hochschule, wurde nur wenige Jahre vor dem Tod seines Vaters geboren. Daher bietet er seinen Lesern nicht nur ein bewegendes Stück Kirchengeschichte, sondern zudem Einblick in die persönliche Annäherung an einen Vater, den er selbst nie bewusst kennenlernen durfte. Der Autor verortet sich immer wieder in der Gruppe der „Kriegskinder“, die in den vergangenen Jahren einen publizistischen Boom erleben. Dabei neigt er in seiner Arbeit weder zu langatmigen Anekdoten und Exkursen von rein familiärer Bedeutung. Noch erliegt er der Versuchung einer unsachlichen Idealisierung – immer wieder reflektiert er kritisch die Aussagen von Quellen und Familientradition. So überzeugt sein Buch sowohl durch den erkennbaren persönlichen Zugang des Autors zur Thematik, als auch durch die sachgerechte Aufbereitung derselben.

Tilman Asmus Fischer

Gerhard Ackermann: In Acht und Bann: Lic. Johannes Ackermann (1900–1942), Pfarrer in Tanneberg/Erzgebirge. Edition Gutenbergplatz, Leipzig 2015. ISBN 978-3-95922-080-4

Erschienen in: Der Sonntag – Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens 3/2016.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s