150 Jahre im Geist der Diakonissen

Lazarus-Stiftungsvorstand Martin Wulff spricht über Erbe, Gegenwart und Zukunft der diakonischen Arbeit

Wenn Sie, Herr Wulff, auf 150 Jahre Lazarus-Diakonie in Berlin zurückblicken, was macht den Geist dieses Werkes aus?

Es ist ganz klar der Geist eines Diakonissenhauses. Die Schwesternschaft hat die Arbeit geprägt, in schweren und guten Zeiten – das steht außer Frage. Die Schwestern bildeten zugleich eine Dienst-, Glaubens- und Lebensgemeinschaft.

Hat diese Lebensform heute noch Zukunft?

Es gibt heute neuere Formen von Diakonieschwestern – bei den meisten entfällt der Aspekt der Lebensgemeinschaft. Die Schwestern der Lazarusdiakonie haben sich seinerzeit entschieden, das traditionelle Leben weiterzuführen. Aufgrund des Umstandes, dass diese Form heute keine Interessentinnen mehr findet, leben noch 17 Schwestern im Ruhestand im Diakonissenmutterhaus. Die Aufgaben der Einrichtungen der Lazarus-Diakonie sind von der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal übernommen worden. Dabei ist klar: Die heute hochbetagten Schwestern haben für die Stiftung Lazarus-Diakonie gelebt und gearbeitet, weshalb es selbstverständlich ist, dass sie von uns versorgt werden – und das meint keine Minimalversorgung. Sie sind uns allen lieb und sollen im Mutterhaus alt werden können.

Wie gestaltet sich heute das Leben im Mutterhaus?

Neben der Versorgung und Betreuung der Schwestern besteht eine sogenannte Anstaltsgemeinde mit einem regen geistlichen Leben, zu dem tägliche Andachten und Gottesdienste gehören. Zugleich ist hier auch das geistliche Zentrum für Mitarbeitende der Lazarus-Diakonie und dazugehöriger Einrichtungen. Hier finden sie geistliche Begleitung und Gruppenangebote.

Lobetal und die Lazarus-Diakonie stehen mit ihren Einrichtungen vor Herausforderungen der Gegenwart. Wie unterscheiden sich diese von denjenigen der Gründungszeit?

Als die Lazarus-Diakonie gegründet wurde, gab es in Berlin eine sichtbare soziale Not, derer sich die Gründer annahmen – mit bürgerschaftlichem Engagement, wie man Neudeutsch sagen würde. Dieses war getragen vom Glauben und der Überzeugung, Nächstenliebe leben zu müssen. Heute stehen wir vor der Herausforderung, unsere Arbeit mit hoher Professionalität zu betreiben – auf gleichfalls sichtbarer christlicher Grundlage.

Gelingt dies angesichts der Zwänge, die der Wettbewerb mit sich bringt?

Wir können uns gerade wegen unserer christlichen Ausstrahlung im Wettbewerb behaupten. Profil und Wirtschaftlichkeit bedingen einander. Christliche Pflegeeinrichtungen werden von der Öffentlichkeit positiv bewertet. Andererseits müssen wir wirtschaftlich sein, um uns das christliche Profil – und das meint nicht nur die hauptberuflichen Seelsorger – leisten zu können.

Zum Profil gehört auch die Pflege sterbender Menschen. Das Lazarus-Hospiz war das erste konfessionelle Hospiz im Land Berlin. Wie steht die Lazarus-Diakonie zur gegenwärtigen Debatte um die Sterbehilfe?

Wir treten ganz klar gegen aktive Sterbehilfe ein. Doch es stellt sich die Frage: Was kommt dann? Hospize und Angebote der Palliativmedizin sind der richtige Ansatz, brauchen aber genug qualifizierte Ärzte. Hier erwarte ich eine Unterstützung des Ausbaus der notwendigen Strukturen – auch in den Krankenhäusern.

Die Fragen stellte Tilman Asmus Fischer.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 28/2015.

Stiftung „Lazarus-Diakonie Berlin“: http://www.lazarus-diakonie.de

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