Kirchentag der Superlative

Was erwartet den Kirchentagsbesucher zum Reformationsjubiläum 2017 in Berlin?

Von Tilman Asmus Fischer

Während sich Protestanten in ganz Deutschland auf den diesjährigen Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) in Stuttgart einstimmen, sind einige Aktive bereits in Gedanken in das Jahr 2017 unterwegs. Zum „Kirchentag der Superlative“ könnte man meinen, wenn man Verlautbarungen der EKD-Reformationsbeauftragten folgt. Denn im Abschlussjahr der Lutherdekade wird der Kirchentag gleich in zwei Städten zu Gast sein: In Berlin und – vor allem mit dem Festgottesdienst – in Wittenberg. Wenn die Wahl des Bundeshauptstadt auch organisatorischen Erwägungen folge, legt Heike Baum Wert darauf, dass der Kirchentag 2017 nicht einfach „nur“ größer wird. Die Projektkoordinatorin des Landesausschusses Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz des Deutschen Evangelischen Kirchentages wünscht sich, dass dieser besondere Kirchentag „auch inhaltlich anders gestaltet wird“.

Dies ist schon deshalb eine besondere Herausforderung, da Berlin nicht in dem Maße wie die mitteldeutschen Landschaften zu den „Kernlanden“ der Reformation zählt. Dies wirft Fragen auf: „Welche Wirkungen der Reformation kann man in Berlin, in Brandenburg und in der schlesischen Oberlausitz erkennen?“ Dieser und anderen Überlegungen widmet der Beauftragte der EKBO für das Reformationsjubiläum und den Kirchentag 2017, Pfarrer Bernd Krebs, seit Anfang dieses Jahres eine Workshop-Reihe, an der der Landesausschuss mitwirkt.

Die Landesausschüsse, die auch für weitere Landeskirchen und Regionen in Deutschland bestehen, leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Kirchentage seit ihrem Bestehen in den ausrichtenden Landeskirchen „ankommen“. Sie organisieren nicht nur regionale Kirchentage – wie das Fest der Kirchen in Berlin – und sind als Mittler zwischen DEKT und Region an der Vorbereitungen der Kirchentage beteiligt. Vielmehr tragen sie zur Einbeziehung regionaler Themen in den DEKT bei und haben an der Entwicklung konkreter Veranstaltungsformate teil. Hierzu fand innerhalb der Workshop-Reihe am 17. Januar eine erste Ideenbörse statt, an der etwa 40 Gemeindevertreter, Kirchenmusiker, Vertreter der Landeskirche, des DEKT und Interessierte teilnahmen.

Neben regionalen Spuren der Reformation standen weitere Fragen auf der Agenda – etwa: „Was sind unsere Visionen für eine Kirche von morgen?“ – Überlegungen, die womöglich durch den EKBO-Reformprozess befruchtet werden können. „Wie gestalten wir heute das Verhältnis von Religion, Staat und Gesellschaft?“ – Eine brisante Frage, gerade in den säkular geprägten „neuen“ Bundesländern.

Drei zentrale Themenkomplexe kristallisierten sich am 17. Januar bereits heraus, berichtet Heike Baum: Zunächst sollen Berlin und sein Umland als eine Region unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten ernstgenommen werden – zwischen Stadt und Land, Ost- und West-Prägung sowie in der Spannung von Säkularismus und religiöser Vielfalt. Ebenfalls soll die Flüchtlings- und Asylproblematik aufgegriffen werden. Zuletzt besteht der Wunsch, mit dem Thema „Kirche und neue Medien“ zukunftsweisende Akzente zu setzen.

Mit diesen ersten thematischen Weichenstellungen geht es nun in die konkrete Planung – weitere Workshops sind geplant, im Herbst zieht die Geschäftsstelle des mit Hauptsitz in Fulda angesiedelten DEKT von Stuttgart nach Berlin um. Über das große Thementableau für 2017 entscheidet das Präsidium des DEKT. Daneben ist ein regionaler Lenkungsausschuss für die regionalen Themenschwerpunkte zuständig. Ihm gehören neben DEKT, EKBO und Landesausschuss auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und Medienvertreter an.

http://www.kirchentag-bbo.de

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 16/2015.

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