Einen Ausgleich schaffen

Zehn bis fünfzehn Anträge erhält die EKU-Stiftung jährlich aus der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die Stiftung förderte Projekte mit einer halben Million Euro

Von Tilman Asmus Fischer

Geld regiert die Welt – auch wenn Christen dies zu Recht nicht gern hören. Die Wirksamkeit der Kirche durch ihre Glieder ist immer wieder davon abhängig, ob der Rubel rollt und notwendige Kosten für anvisierte Projekte gedeckt werden können. Dabei sind die Konten der einzelnen Gemeinden, Kirchenkreise, Sprengeln oder gar Landeskirchen nicht gleichermaßen gefüllt. Dies war schon bei den ersten Christen nicht anders. Für die Kollekte zugunsten der Jerusalemer Urgemeinde werbend schreibt der Apostel Paulus an die Brüder und Schwestern in Korinth: „Nicht, dass die andern gute Tage haben sollen und ihr Not leidet, sondern dass es zu einem Ausgleich komme. Jetzt helfe euer Überfluss ihrem Mangel ab, damit danach auch ihr Überfluss eurem Mangel abhelfe und so ein Ausgleich geschehe“ (2. Korinther, 8–9).

Damals wie heute sucht Kirche Wege, Ausgleich zu schaffen und so alle ihre Glieder zu wirksamem Handeln zu befähigen. Dies gelingt vor allem über die Kollekte. „Kollekten sind nicht einfach Gelder und Vermögen, sondern gottesdienstliche Gaben für die Armen, also eigentlich nicht für uns, sondern für andere. Wir geben zurück, was wir von Gott empfangen haben“, sagt Oberkonsistorialrätin Friederike Schwarz, die im Konsistorium der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz für Kollekten zuständig ist.

Einst reiste der Apostel mit seinen Begleitern durch den Mittelmeerraum, warb um Spenden – ohne SEPA-Lastschriftverfahren und Onlinebanking landete die Unterstützung bei den Bedürftigen – wohl auch ohne Quittung. Würden Kirchen heute versuchen, ihre Arbeit derart unkonventionell zu finanzieren, sie bekäme wohl rasch Probleme mit Finanzämtern und Transparenzwächtern. Daher verwalten und gestalten Landeskirchen in Deutschland heute in ihren Institutionen verantwortungsbewusst neben den Kollekten für etwa einzelne landeskirchliche Werke oder Gemeinden ein „übergemeindliche Kollektenwesen“ – zum Beispiel in Form des Kollektenverbundes der Union Evangelischer Kirchen (UEK).

Damit wird zur Finanzierung von gemeindeeigenen Projekten und solchen mit gemeindeübergreifender Bedeutung beigetragen. Heute gehört die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zu den „Nutznießern“ der UEK-Kollekten, wie Friederike Schwarz mitteilt. Für die UEK-Kollekten sammelt die Landeskirche viermal jährlich in den Gottesdiensten. Damit steuerte sie in den letzten Jahren jeweils etwa 170 000 Euro bei. Insgesamt kommen im Kollektenverbund von allen Landeskirchen etwa über 600 000 Euro zusammen.

Zuständig für die UEK-weiten Kollekten ist die EKU-Stiftung – in ihrem Namen lebt die Vorgängerin der UEK weiter, die EKU, also die Evangelische Kirche der Union. 2003 ging aus dieser durch Aufnahme weiterer Landeskirchen die Union Evangelischer Kirchen in der EKD hervor. Sie hat die Aufgabe beibehalten und verwaltet auch die UEK-Kollekten.

Wie werden diese dann jedoch ihrem Zweck – übergemeindlichen diakonischen und missionarischen Maßnahmen – zugeführt? Anträge aus Kirchengemeinden oder Kirchenkreisen bedürfen zunächst einer Befürwortung durch die jeweilige Landeskirche. Aus dem so zustande gekommenen Konvolut an Anträgen trifft der Kollektenausschuss der UEK eine Vorauswahl. Auf deren Grundlage wiederum entscheidet das Kuratorium der EKU-Stiftung schlussendlich über die Mittelgewährung; hier können dann auch die Antragsteller die zur Verfügung gestellten Mittel abfordern.

In den zurückliegenden Jahren lag die Summe der aus dem Fonds finanzierten Projekte für Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz etwa bei einer halben Million Euro. Etwa zehn bis fünfzehn Anträge werden hierzu jedes Jahr aus Kirchengemeinden und Kirchenkreisen an die EKU-Stiftung gerichtet. Werden sie genehmigt, fließen die Kollekteneinnahmen in Kindertagesstätten, zum Beispiel die „Arche Noah“ in Erkner, oder Gemeindehäuser, wie das der evangelischen Gemeinde in Caputh. So wird Kirche vor Ort befähigt, Angebote zu schaffen und gesellschaftsrelevante Arbeit zu leisten.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 15/2015.

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