Gemeinschaft mit Mission

Landeskirchen brauchen starke Partner, um Menschen für den Glauben zu gewinnen – zum Beispiel die Gemeinschaftsbewegung

Von Tilman Asmus Fischer

„Wir sind Kirche mit Mission“, lautet die erste von zehn Thesen zum „Reformprozess“ der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Was sonst? – Müsste man mit Blick auf das religiöse Vakuum in den östlichen Bundesländern fragen. Aber was ist das heute: Mission? Es werden Erinnerungen wach an mehr oder weniger ruhmreiche Kapitel der neueren Geschichte. Da lohnt sich ein Blick auf diejenigen, die heute Mission und Gemeinschaft im Glauben leben – so das Gemeinschaftswerk Berlin-Brandenburg (GWBB).

In ihm hat die Landeskirche einen wichtigen Partner, der neben der Arbeit in den Gemeinden und Kirchenkreisen Angebote schafft, die Menschen zum Glauben führen und in ihm stärken. Dies geschieht im Rahmen der Landeskirchlichen Gemeinschaften, Hauskreise, Bibelkreise oder Einrichtungen der Arbeit mit Jugendlichen und Kindern. Religion und Glaube sind hier keine abstrakten Größen, sondern werden in der konkreten Gemeinschaft erfahrbar – geben Heimat, so das erklärte Ziel des Gemeinschaftswerks.

Dementsprechend decken die Angebote der Gemeinschaftsbewegung – ihre historischen Wurzeln liegen im Pietismus des 19. Jahrhunderts – ein breites Spektrum menschlicher Lebensbereiche ab: vom Kinder- und Jugenddienst über Posaunenchöre und Angebote der Männer- und Frauenarbeit bis hin zur Unterstützung sozial Schwacher. So simpel wie einleuchtend ist die Vision, die das Gemeinschaftswerk nach Selbstbeschreibung verfolgt: „Weil Gott uns wichtig ist, sind uns Menschen wertvoll. In einer zunehmend unübersichtlich werdenden Welt, wollen wir Menschen in überschaubarer Gemeinschaft Heimat bieten. Grundlage und Richtschnur für unsere Arbeit ist die Bibel.“

Was dies bedeutet, wird etwa in den „Fresh X“-Projekten erfahrbar, die in der Tradition der englischen Bewegung „Fresh Expressions of church“ stehen und neue Formen kirchlicher Gemeinschaft suchen. Zum Beispiel im „FreiRaum“ (Schönhauser Allee 134a, Berlin) – mitten im hektischen Metropol-Stadtteil Prenzlauer Berg wird hier den Anwohnern ein Ort der Begegnung und des Gesprächs geboten. Jeden Mittwochabend wird zu „Brot und Butter“ geladen – es kommt ein sozial und kulturell gemischtes Völkchen zusammen: „Durch die vielfältigen Konstellationen und die gleiche Ebene, auf der man sich durch das gemeinsame Essen befindet, entwickeln sich immer wieder bewegende Gespräche über Gott und die Welt“, so die Organisatoren. Hinzu kommen gemeinsame Seminare, Konzerte und Freizeitaktivitäten.

Dies ist nur eines von vielen Projekten. So und in anderer Form wirken in der EKBO Initiativen des GWBB und die etwa 50 Landeskirchlichen Gemeinschaften, die damit in über 100 Stadtteilen und Orten für die Menschen da sind. In der Jugendarbeit kooperiert das GWBB mit der internationalen wie konfessionsübergreifenden evangelikalen Jugendbewegung „Entschieden für Christus“. Solche Vernetzungen bieten die Möglichkeit, fruchtbare Entwicklungen der christlichen „Community“ jenseits landeskirchlicher Strukturen fruchtbar zu machen. Nichtsdestotrotz versteht sich das GWBB als Teil der EKBO, mit der eine Vereinbarung zur Kooperation auf Gemeindeebene besteht.

Partner Landeskirchlicher Gemeinschaften können jedoch auch säkulare Institutionen sein: So wird etwa die Sozialarbeit in der brandenburgischen Plattenbausiedlung Ludwigsfelde Nord ganz wesentlich durch die örtliche Wohnungsgenossenschaft und die Wohnungsgesellschaft „Märkische Heimat“ finanziert. Hier erfährt Unterstützung, wer bei der Beantragung staatlicher Leistungen Hilfe oder in persönlichen Krisen Zuspruch und Beratung braucht.

Die Anbieter selbst sprechen vom „Bau eines selbstständigen und selbstbewussten Menschen“. In Ludwigsfelde kann man sehen, was zielgruppenorientierter Gemeindebau bedeutet: Neben den Klassikern wie mehreren Hauskreisen und offener Jugendarbeit bietet die Landeskirchliche Gemeinschaft Inlineskater-Hockey, christliche Biker-Arbeit und eine eigene Fahrradwerkstatt an.

Von einer enger Vernetzung profitieren maßgeblich die bedürftigen Klienten: „Ich bin Mitglied in verschiedenen Netzwerken und erfahre dadurch einen regen Austausch und große Unterstützung. Regelmäßige Treffen mit dem Jugendamt, den Vermietern, der Polizei und diversen Anwälten schaffen ein kontinuierliches Handeln auf hohem Niveau“, so der Leiter der Sozialarbeit Ludwigsfelde, Gino Bergner.

Gemeinsam mit anderen regionalen Verbänden der Gemeinschaftsbewegung in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden ist das GWBB Teil des großen Evangelischen Gnadenauer Gemeinschaftsverbandes. Gerade in Zeiten, da die Landeskirchen Mitglieder verlieren – im vergangenen Jahr bundesweit über 200.000 – braucht es Impulsgeber wie die Gemeinschaftsbewegung, damit die evangelischen Kirchen auch zukünftig „Salz der Erde“ sind.

Weitere Informationen: http://www.gwbb.de

Erschienen in ähnlicher Form in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 7/2015.

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