Der den Mond besang

Zum Matthias-Claudius-Jubiläum 2015 ist eine kurzweilige Biografie erschienen

Von Tilman Asmus Fischer

Es gibt Bücher, die mehr halten als ihre Titel versprechen. Zu ihnen zählt die neue Claudius-Biografie von Hans-Jürgen Benedict: „Warum der Dichter den Mond besang und das Leben lobte“. Was wie ein biografischer Streifzug durch die Epoche der Empfindsamkeit klingt, entpuppt sich als schlanke und eingängige populärwissenschaftliche Verortung des holsteinischen Dichters und Laientheologen in seinem geistesgeschichtlichen Kontext.

Pünktlich zu dessen 275. Geburts- und 200. Todestag 2015 bringt uns der Hamburger Theologe Benedict seinen Landsmann als einen der Aufklärung gegenüber aufgeschlossenen, jedoch frommen Lutheraner nahe. Wie bereits andere Bücher der Reihe „Wichern Porträts“ zeichnet es auch diesen Band aus, dass sein Verfasser die historische Person als Kind ihrer Zeit ernst nimmt. Es finden sich zwar bewusst gestreute anregende „Aktualisierungen“ von einzelnen Aspekten der Biografie. Hervorzuheben wären etwa – angesichts der aktuellen Debatte über Suizidbeihilfe – Benedicts Hinweise auf dem „gnädigen Tod“ bei Claudius. Der Verführung, den „Wandsbecker Boten“ in den Dienst von Konzepten des heutigen Zeitgeistes zu stellen, erliegt der Autor jedoch erfreulich selten.

Hans-Jürgen Benedict, Matthias Claudius, Warum der Dichter den Mond besang und das Leben lobte, Wichern-Verlag, Berlin 2014, 144 Seiten, Hardcover, Euro 14,95, ISBN 978-3-88981-381-7.

Erschienen in Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 2/2015 (www.die-kirche.de) und in ähnlicher Form in Evangelische Zeitung 3/2015 (www.dieevangelische.de).

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