Was kommt 2015?

Gedenktage und Jubiläen, die Kirche und Gesellschaft in diesem Jahr begehen

Von Tilman Asmus Fischer

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“, fordert die Jahreslosung für 2015 – und dafür wird es im kommenden Jahr in Kirche, Politik und Gesellschaft viele Anlässe geben: Auf einander zuzugehen. Hierzu werden die deutschen Protestanten nicht zuletzt beim Kirchentag vom 3. bis 7. Juni in Stuttgart Gelegenheit haben, der unter der Losung „damit wir klug werden“ aus dem 90. Psalm steht. Zuzugehen ist jedoch auch auf die Glaubensgeschwister anderer Kirchen: Zum Beispiel beim Fest der Kirchen am 12. September auf dem Berliner Alexanderplatz – dessen Veranstalter, dem Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg, gehört neben der katholischen etwa auch die altlutherische Kirche an. Bereits vom 18. bis 25. Januar wird die Gebetswoche für die Einheit der Christen stattfinden.

Im Rahmen des EKD-Themenjahres „Reformation – Bild und Bibel“ steht zudem eine Intensivierung der Kontakte zur Orthodoxie in Aussicht: Im Rahmen eines Kontaktgesprächs zwischen der EKD und der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland waren bereits im Oktober 2014 Publikationen zur orthodoxen Bildtheologie angekündigt worden. Auf dem Kirchentag wird das „Forum Reformation“ – ein Gemeinschaftsprojekt, an dem auch die EKBO beteiligt ist – an prominenter Stelle über die Orte der Reformation informieren. Der Weltgebetstag der Frauen schlägt dieses Jahr seinerseits eine Brücke zum Themenland Bahamas. Einen weiteren Aspekt der EKBO-Frauenarbeit dürfte daneben jedoch auch das Erinnern an 111 Jahre Evangelische Frauenarbeit in Schlesien sein.

Neben inhaltlicher und ökumenischer Arbeit wird 2015 auch Neuerungen in den landeskirchlichen und EKD-Strukturen bringen. So wird sich eine neue EKD-Synode konstituieren, die im Mai ihre oder ihren Präses wählen wird – sodann wird im November die Neuwahl von EKD-Rat und -Ratsvorsitzendem erfolgen. Letztes Amt nimmt seit Ende 2014 der bayerische Landebischof Bedford-Strohm wahr. In der EKBO wiederum zeitigen in diesem Jahr die Synodenentscheidungen von 2014 ihre Folgen: Es werden Jörg Antoine am 22. Mai als neuer Präsident und Christian Stäblein am 4. September als neuer Propst eingeführt werden. Schon am 24. Januar wird mit einem Festgottesdienst die neue Kirchenleitung eingeführt.

Als Akteure in Politik und Gesellschaft erwartet die Kirchen zudem mit 2015 ein Jahr mit vielfältigen Herausforderungen und Gedenktagen, um die herum sich neue Diskurse entspannen können: Im politischen Feld dürfte es vor allem die gesetzliche Neuregelung zur Suizidbeihilfe sein, die kirchliche Kräfte bindet – dabei stehen derzeit die Chancen gut, dass es Kirchenvertretern gelingt, aus ihrer Warte heraus Perspektiven aufzuzeigen, die auch für eine zunehmend säkulare Gesellschaft plausibel sind. Gedenktag und Politikum könnte – gerade angesichts der politischen Entwicklungen in der Türkei – der Beginn des Völkermords an den Armeniern vor 100 Jahren sein. Am 23. April wird Bischof Markus Dröge im Berliner Dom mit einem Gottesdienst das Genozid-Gedenken begehen.

Mindestens ebenso prominent dürfte das Gedenken an 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges begangen werden – in dessen Kontext sich zudem die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wie die Zerstörung Dresdens jähren. Am 29. April etwa wird Markus Dröge gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Halbe an die dortige Kesselschlacht erinnern. Bundespräsident Gauck wird bereits am 13. Februar in der Dresdner Frauenkirche der 25.000 Bombentoten gedenken. Neben die Erinnerung an verübtes und erfahrenes Leid tritt jedoch in der Erinnerung an 1945 auch der Blick in die Zukunft. Denn es gilt ebenso an die Einführung der UN-Charta zu erinnern. Das Geburtstagskind, die Vereinten Nationen, haben 2015 zum „Jahr des Bodens“ ausgerufen, zu dem die Kirchen als wichtige Entwicklungshelfer sicherlich profunde Beiträge werden liefern können. Passender Weise wird das Jahr in der EU zudem als „Europäisches Jahr der Entwicklung“ begangen. Damit werden Problemfelder akzentuiert, die gerade angesichts wachsender Ströme an Armutsflüchtlingen in den Blick genommen werden müssen.

In ähnlicher Form erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung 2/2015.

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