Halleluja

Eine ökumenische Begegnung im Karneval

Einmarsch, „Kölle Alaaf“, Abmarsch. Kostümsitzung der Roten Funken, Kölns ältester Karnevalsgarde. Als Berliner und zumal als Protestant wähnt man sich als Exot im Saal. Während das Tanzmariechen vorne ihr Beinchen schwingt, werden Getränke bestellt, kommt man ins Gespräch. Neben mir sitzt Norbert, ein „Roter Funke“, erkennbar an seinem Krätzchen, der traditionellen Kappe der Gardegesellschaften.

Schnell muss ich mich als „Immi“, Nicht-Kölner, outen, was bei der rheinischen Offenheit nicht schwerfällt. Doch die Reaktion überrascht dann doch: Der „Funke“ gibt sich seinerseits als Wahl-Berliner zu erkennen, wir wohnen nur wenige S-Bahn-Haltestellen voneinander entfernt. Nach der ersten Runde Kölsch erwähne ich mein Theologiestudium. Es folgt die unumgängliche Frage: „Katholisch oder evangelisch?“ Ich bejahe letzteres.

„Das hatte ich mir schon gedacht, wie ein Katholik siehst Du auch nicht aus.“ Woran Norbert das erkannt hat? Aber, er muss es ja wissen, denn nun gibt er sich als Diakon und Ordensmann der Salvatorianer zu erkennen. Da sitzen nun zwei von der Spree, ein evangelischer Theologiestudent und ein katholischer Krankenhausseelsorger in Köln, schunkeln, lachen und singen. Auch „Halleluja“ – freilich nicht das aus der Liturgie, sondern den lebensbejahenden Klassiker der Kölsch-Rock-Band „Brings“. Am Ende sind wir doch vor dem Herrgott alle gleich – so auch im Karneval, der für kurze Zeit die Unterschiede des Alltags vergessen lässt.

Womöglich können wir Protestanten, vor allem in den neuen Bundesländern, noch bei unsern rheinisch-katholischen Geschwistern Nachhilfe nehmen: Glaube und „Spaß an der Freud“ müssen sich nicht ausschließen. Nachdem die „Höhner“ mit „Schenk mir Dein Herz“ den Saal zum Toben brachten, erzählt mir Norbert von einer Trauung, bei der das Lied zum Auszug gespielt wurde – nicht vom Band, sondern an der Orgel.

„Im Rheinland und fast überall
ist das Symbol der Karneval.
Und Pater Brown wusste schon:
‘Es ist ein Teil der Religion.’
Und im Garten des Lebens
ist Humor der beste Dung.
‘Es lebe unser Fasteleer’,
säät der Bergischer Jung.“

– Willibert Pauels, Diakon und Büttenredner (Ne Bergische Jung) –

Tilman Asmus Fischer, Berlin, Februar 2014

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