Auf ein Wort: Was wird aus den Heimatsammlungen?

Das BdV-Jahresmotto für 2013 lautete „Unser Kulturerbe – Reichtum und Auftrag“. Den Auftrag, diesen Reichtum zu bewahren, nehmen in besonderer Weise die ostdeutschen Landesmuseen wahr. Deshalb stehen sie im Zentrum der einschlägigen Kulturpolitik. Doch auch die unzähligen Heimatsammlungen in meist privater Trägerschaft bewahren ostdeutsches Kulturerbe – oft in Form interessanter alltagsgeschichtlicher Quellen. Aber nicht wenige von ihnen sind im Bestand gefährdet. Ursächlich sind die demographischen Probleme, vor denen ihre Trägerorganisationen stehen.

Hier besteht Bedarf an Unterstützung, konkret in Form von Beratung, Erfahrungsaustausch und Moderation der notwendigen Transformationsprozesse – eine Aufgabe, für deren Bewältigung idealiter der Bund der Vertriebenen Strukturen entwickeln könnte, wenn er sie auch nicht alleine tragen müsste oder sollte. Dabei sollten die Betroffenen proaktiv angesprochen und gemeinsam Problemlösungen gesucht werden.

Dass hervorragende konzeptionelle Vorarbeiten bereits geleistet wurden, zeigt etwa die Handreichung „Was wird aus den Heimatsammlungen?“, an der unter anderen das BdV-Präsidiumsmitglied Oliver Dix mitarbeitete. Nun sollten der BdV und seine Mitgliedsverbände gemeinsam die Anwendung dieser Überlegungen auf die museale Praxis moderieren. Wichtige Partner sind auch hier die ostdeutschen Landesmuseen – deshalb sollten sich auch die Kulturstiftung Westpreußen und das Westpreußische Landesmuseum in der Pflicht sehen, offenzulegen, welche Kapazitäten zur Aufnahme und Pflege von Sammlungen vorhanden sind, und gemeinsam mit der Landsmannschaft Westpreußen ein tragfähiges Konzept zur Sicherung der Bestände zu entwickeln.

Dabei muss nicht zuletzt über eine Frage diskutiert werden, die bereits des Öfteren emotionale Kontroversen entfachte hat: Die Abgabe von Exponaten an Institutionen im Heimatgebiet, als Schenkung oder Leihgabe. Schon jetzt dürfte klar sein, dass es mit einer Ja-/Nein-Entscheidung nicht getan ist; denn sollte es nicht vielmehr darum gehen, abgewogene Entscheidungen für jeden Einzelfall zu treffen, so dass jedem Exponat mit seiner Geschichte Gerechtigkeit widerfährt? Das heißt, dass für jedes dieser Zeugnis sichergestellt wird: Erstens, dass sein musealer Kontext der historiographischer Redlichkeit verpflichtet ist. Zweitens, dass es der interessierten Öffentlichkeit zugänglich ist. Und drittens, dass es der geschichtlichen Forschung dienen kann.

Tilman Asmus Fischer
Bundeskulturreferent der Landsmannschaft Westpreußen


Die Handreichung im Internet: http://www.bkge.de/heimatsammlungen/40806.html

Erschienen in: „DER WESTPREUSSE – Unser Danzig“, Nr. 1/2014.

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