Eine Aufgabe für alle

Jeder achte Mensch auf der Welt geht abends hungrig schlafen. Das sind fast 850 Millionen Frauen, Kinder und Männer. Ein immer häufigerer Grund: Menschen können sich nicht mehr selbst ernähren, weil ihnen fruchtbares Land oder Saatgut fehlt – große Konzerne dagegen brauchen immer mehr Böden für Energiepflanzen, Massentierhaltung oder Monokulturen. Mit dem Thema beschäftigte sich im November die EKD-Synode in Düsseldorf und rief in der Kundgebung „Es ist genug für alle da – Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft“ dazu auf, alles zu tun, um den Hunger in der Welt bis 2030 zu überwinden. Unter dem Motto „Land zum Leben – Grund zur Hoffnung“ rückt nun „Brot für die Welt“ diese Thematik in den Fokus. Am 1. Advent wird die 55. Aktion mit einem feierlichen Gottesdienst eröffnet. Aus diesem Anlass sprach Tilman A. Fischer mit Diakoniepräsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel.

Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft waren die Schwerpunktthemen der diesjährigen EKD-Synode. Welche Bedeutung hat die beschlossene Kundgebung für Brot für die Welt?

Die von der Synode in breitem Konsens – bei nur einer Gegenstimme – verabschiedete Kundgebung zur Welternährungsfrage stärkt uns den Rücken in unserem Kampf gegen den Hunger, den wir gemeinsam mit Partnerorganisationen in aller Welt führen. Die Synode hat nach intensiven Beratungen bekräftigt: Es geht nicht um Almosen, sondern um das Menschenrecht auf Nahrung. Mit unseren Programmen helfen wir den Hungernden im Süden, dieses Recht durchzusetzen. Und dass es mehr im Zentrum der Handels-, Agrar- und Entwicklungspolitik stehen soll, fordern wir seit Jahren. Dabei stoßen wir jedoch auf viele Widerstände.
Die Synode hat als neue Herausforderungen für die Welternährung auch den Klimawandel und die verschärfte Landnutzungskonkurrenz zwischen Teller, Tank und Tonne angesprochen. Das ist uns – und möge es allen Gemeinden sein – Ansporn, unseren politischen Einsatz für effektiven Klimaschutz und für eine Wende zu einer nachhaltigen Agrarentwicklung in Nord und Süd zu verstärken.

Welcher praktische Beitrag kann aus der Kirche heraus geleistet werden, um die postulierten Ziele zu erreichen?

Die Empfehlungen, die die Kirche an sich selbst richtet – vor allem was eine nachhaltige und faire Beschaffung von Lebensmitteln in Diakonie und Kirche und die Neuorientierung der Vergabepraxis für kirchliches Pachtland anbelangt – werden wir weiter umsetzen helfen. Gern unterstützen wir die Gemeinden und Leitungsorgane der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und ihrer Diakonie dabei, das für sich zu konkretisieren.

Am Ersten Advent eröffnen Sie die 55. Aktion „Brot für die Welt“. Ihre katholischen Partner von Adveniat befürchten auf Grund der Limburger Vorkommnisse Spendenrückgänge. Kann sich die Causa Tebartz-van Elst kurz vor Weihnachten auch negativ auf nicht-katholische kirchliche Hilfswerke auswirken?

Spenden ist Vertrauenssache. Dennoch – oder gerade deswegen sollte es selbstverständlich sein, höchstmögliche Transparenz über die Finanzen und größtmögliche Rechenschaftspflicht gegenüber den Trägern, also in unserem Fall allen evangelischen Kirchen, den Gemeinden und Spendenden und der Öffentlichkeit gegenüber walten zu lassen. Das tun wir: Über die Vergabe unserer Mittel entscheiden Repräsentanten von Kirche und Diakonie sowie Experten mit, unsere Finanzen werden regelmäßig geprüft, unsere Mittelverwendung und Transparenzstandards stehen beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen hoch im Kurs.
Bislang spüren wir bei Brot für die Welt jedenfalls keine Auswirkungen und erwarten dies auch in nächster Zeit nicht. Ob und wie lange die allgemeine Öffentlichkeit allerdings katholisch und evangelisch, Bistümer und Hilfswerke noch auseinanderzuhalten vermag, fragt sich. Sinkt das Ansehen einer kirchlichen Institution, sehen sich Kritiker der Kirche im Recht. Dem entgegenzuwirken, ist eine Aufgabe für uns alle in der Kirche.

In ähnlicher Form erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung, Nr. 48, 1. Dezember 2013.

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