Gebot der Geradlinigkeit

Im Interview spricht die Protestantin Frauke Petry über ihr Engagement für die AfD, den Vorwurf der Rechtslastigkeit und „qualifizierte Zuwanderung“

Warum haben Sie sich als Protestantin entschieden, gerade die AfD mit zu begründen?

Das Gebot der Geradlinigkeit und Ehrlichkeit ist für mich und viele Mitglieder der ersten Stunde entscheidend wichtig. Unser Land braucht Bürger, die gegen die vielfachen Verletzungen der Rechtsstaatlichkeit und für eine ehrliche Politik eintreten. Als Christ ist man hierbei besonders in der Pflicht. Benutzt man dann noch seinen wirtschaftlichen Sachverstand und die Grundrechenarten, dann lässt sich feststellen, dass die derzeitige europäische Währungspolitik bereits in der Sackgasse gelandet ist. Konsequent zu sein, heißt daher politisch aktiv zu werden.

Stellen die immer wieder gegen die AfD erhobenen Vorwürfe Ihre Ideale nicht in Frage?

Uns wird gerne der Vorwurf gemacht, wir seien eine rechtspopulistische Partei, wobei der Vorwurf nie wirklich begründet wird. Offenbar sollen damit historisch bedingte Angstreflexe der Menschen bedient werden, weil dies einfacher ist als die politische Auseinandersetzung zu führen. Daraus leite ich ab, dass unsere Ideale der Rechtsstaatlichkeit, der Transparenz, der Bewahrung der freiheitlich demokratischen und kulturellen Werte und das verantwortungsvolle Eintreten für eigene nationale Interessen für die politische Konkurrenz offenbar sehr bedrohlich wirken. Wenn dies so ist, dann sind die erhobenen Vorwürfe wohl der beste Beweis dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Nichtsdestotrotz gab es Versuche vom rechten Rand, auf den Zug der AfD aufzuspringen.

Natürlich hat es in der Anfangsphase entsprechende Versuche gegeben, als wir binnen weniger Wochen sechs- bis siebentausend Mitgliedsanträge und nicht die Kapazität hatten, jedes einzelne Mitglied von vornherein kennenzulernen. Das wird in der Zukunft sicherlich nichtmehr möglich sein, da wir jetzt die notwendigen Strukturen geschaffen haben. Zudem haben wir einen klaren Vorstandsbeschluss, ehemalige Mitglieder aus NPD und DVU nicht aufzunehmen. Dagegen, dass sich die NPD unsere Themen zum Teil auf die Fahne schreibt, kann man sich letztlich nicht erwehren. Ich denke, dass die AfD selbst beweisen wird, dass sie genug Inhalte hat und sie kompetent vertreten kann.

Ein neuralgischer Punkt ist die Einwanderungs- und Asylpolitik. Ihr Konzept der „qualifizierten Zuwanderung“ stößt durchaus auf Kritik. In welchem Verhältnis stehen für Sie als Christin die Werte der Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu Fragen der politischen Machbarkeit?

Nächstenliebe und Barmherzigkeit sind Werte, die nicht gegen politische Machbarkeit aufgewogen werden können. Als solche müssen sie Handlungsmaxime sein, dürfen aber nicht den Blick darauf verstellen, dass grundsätzliche politische Fehlentwicklungen auch grundsätzlich zu korrigieren sind. Für die Asyl- und Einwanderungspolitik bedeutet dies folgendes: wir brauchen eine transparente Trennung zwischen Asyl- und Einwanderungspolitik in Deutschland und Europa und außerdem eine Entwicklungspolitik vor Ort, die dazu führt, dass Menschen in ihrer Heimat eine Perspektive wiederfinden können. Wir müssen ehrlich zugeben, dass Deutschland und möglicherweise auch Gesamteuropa nicht jeden möglichen Flüchtling aufnehmen kann. Wenn wir, wie ich, ein Europa der offenen Grenzen wollen, dann müssen wir zudem in Europa Regelungen finden, wie wir mit Flüchtlingen gemeinsam menschenwürdig umgehen.

Wo bleibt da der Blick auf die Betroffenen?

Der Blick auf die betroffenen Menschen reflektiert die Versäumnisse europäischer Diplomatie und Entwicklungspolitik in den betroffenen Ländern. In Afrika erleben wir die fatalen Folgen subventionierter europäischer Agrarwirtschaft, die heimische Produkte gegenüber importieren verteuert. In Europa stellen wir zudem fest, dass die angedachte gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge nicht zufriedenstellend funktioniert und die Verantwortung für Flüchtlinge recht unterschiedlich interpretiert wird. Um die Bereitschaft zur Solidarität in der Bevölkerung nicht zu verlieren, müssen wir transparent machen, wie viel und welche Einwanderung wir wirklich haben und wer diese Einwanderung am Ende bezahlt. Klar kann man sagen: Das ist gar nicht solidarisch. Das ist aber genau genommen nicht ehrlich, denn Solidarität hat immer das Element der Freiwilligkeit. Und diese Freiwilligkeit setzt man leichtfertig aufs Spiel, wenn man den Bürger nicht die Wahrheit sagt.

Das Gespräch führte Tilman Asmus Fischer am 30. September 2013.

Die 1975 geborene Unternehmerin Frauke Petry gehört zu den Gründern der eurokritischen Alternative für Deutschland. Sie ist mit einem Pfarrer der sächsischen Landeskirche verheiratet.

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