Der Seelsorger der Politiker

Martin Dutzmann, bisher Militärbischof, wird demnächst Bevollmächtigter des Rates der EKD

Von Tilman Asmus Fischer

„Bitte eine differenzierte Debatte“, fordert Martin Dutzmann. Mit dieser Haltung bringt sich der bisherige evangelische Militärbischof in die Diskussion um Kampfdrohnen für die Bundeswehr ein. Hierfür erntet er Kritik von Friedensbewegten: Da er Drohnen nicht kategorisch ablehnte, sondern bemüht ist, zu unterscheiden: Zwischen Waffe und Gebrauch. Zwischen Einsatzregeln der Bundesrepublik und denjenigen der USA, die mit Drohnen gezielte Hinrichtungen durchführen. Zwischen dem Risiko einer geringen Hemmschwelle abzudrücken und der Chance, mit einer solchen Waffe verantwortungsvoller agieren zu können, als in der Stresssituation im Cockpit.

Fünf Jahre hat sich Martin Dutzmann als Leiter der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr auch mit solchen Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik befasst. Beschäftigen werden sie ihn auch in seinem neuen Amt: Am 1. Oktober übernimmt er die Aufgaben des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union. „Noch immer fehlt zum Beispiel ein sicherheitspolitisches Gesamtkonzept“, mahnt er.

Jedoch werden diese Fragen zurücktreten gegenüber den vielfältigen Aufgaben der unterschiedlichen Politikfelder, mit denen sich der Bevollmächtigte auseinandersetzen muss – etwa der Sozialpolitik: „Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter. Das ist eine große Herausforderung“, erklärt Dutzmann.

Wie etwa soll Pflege neu gestaltet werden? Hier ist die Kirche als Träger diakonischer Werke und als Stimme mit ethischem Anspruch, gefragt. Die Debatte um die EKD-Orientierungshilfe lässt erahnen, dass zudem die Auseinandersetzung um verschiedene Familienbilder den neuen Bevollmächtigten der EKD einige Zeit begleiten wird. Dass hierüber nun endlich offen diskutiert werde, freut Dutzmann.

Der Bevollmächtigte vertritt die EKD nicht nur gegenüber dem Bundestag und der Bundesregierung, sondern auch gegenüber der Europäischen Union. Diese könne von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), die dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert, einiges lernen, meint Dutzmann: „Mit dem Prinzip der versöhnten Verschiedenheit haben wir gute Erfahrungen gemacht, die wir gerne einbringen.“

Darüber hinaus will sich Dutzmann auch zur Asyl- und Flüchtlingspolitik äußern, zu der die Kirche nicht schweigen könne. Und wie sieht es mit der derzeitigen Strukturkrise der EU und der Zukunft des Euro aus? Martin Dutzmann übt begründete Zurückhaltung: „Wenn es der Glaube gebietet, werden wir uns als Kirche auch dazu äußern – allerdings nicht, ohne dass wir uns zuvor sachkundig gemacht haben.“

Der Berliner „Tagesspiegel“ hat den Bevollmächtigten einen „Cheflobbyisten“ der evangelischen Kirche genannt. Stört Martin Dutzmann diese Bezeichnung, die oft abfällig gebraucht wird? Nein, denn Lobbyismus sei Teil der Demokratie und auch die evangelische Kirche habe Interessen, die es zu vertreten gelte.

Jedoch: „Der Begriff Cheflobbyist ist nicht weitreichend genug, bin ich doch gerade als Pfarrer und damit auch als Seelsorger für Politiker und Ministeriale in meinem Amt.“ Der Verantwortung, beiden Aufgaben gerecht zu werden, wird sich Martin Dutzmann in Zukunft stellen müssen.

Erschienen in: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung, Nr. 35, 1. September 2013.

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