Zum Tod von Eddi Arent

„Nec temere nec timide“ – Wappensprüche großer Städte finden nur selten Erfüllung im Leben ihrer Bürger. Weder unbesonnen noch furchtsam waren zumindest die Rollen, denen der 1925 in der Freien Stadt Danzig geborene Eddi Arent Leben einhauchte: Egal ob Schmetterlingsfänger, Butler oder Fotograf, stets waren die Charaktere wohltemperiert bis stoisch – und im rechten Moment voll Inbrunst. Etwa, wenn er als Reporter Josua Harras im Krimi-Klassiker „Der Zinker“ seinem entnervten Chef erklärt, Ping-Pong im Simultanverfahren zu spielen – in der Arbeitszeit: „… ohne Netz und doppelten Boden“.

Bundesarchiv_B_145_Bild-F034158-0018,_Ausschnitt_Eddi_ArentEs ist die Überlegenheit des ‘kleinen Mannes’, die aus solchen Szenen spricht. Vielleicht erklärt auch sie Arents große Beliebtheit. Trotz einer enormen Leinwandpräsenz waren ihm kaum Hauptrollen vergönnt. Dafür jedoch gelang es ihm, Nebenrollen mit Wiedererkennungswert zu kreieren. Sie verbanden die lebendige Mimik des jungen Cary Grant mit der Bescheidenheit eines Heinz Rühmann. Hiermit sorgte er für die notwendige Prise Humor bei Edgar Wallace und Karl May – ohne Klamauk und Groteske.

Welche persönlichen Erfahrungen dazu beitrugen, dass sein Humor leicht und zugleich geerdet war, wissen wir nicht. Vielleicht mag hierzu zählen, was er als Wehrmachtssoldat an der Ostfront erlebte – nicht umsonst spielte er eine seiner ersten überzeugenden Rollen in der Verfilmung des biografischen Romans „Der Arzt von Stalingrad“ – womöglich auch der Verlust der Heimat, der mit dem Krieg einherging.

Der von Arent etablierte Typ und damit seine Kino-Erfolge blieben der Ära der Nachkriegs-Tonfilme der 1950er/60er-Jahre verhaftet. Doch gelang es ihm, sich Ende der 1980er-Jahre ein neues Format zu erschließen: Sketch-Serien boomten spätestens seit Loriot und ‘Didi’ Hallervorden. Mit „Harald und Eddi“ entstand ein weiterer Vertreter dieser Art. Eddi Arent und der große Harald Juhnke glänzten nun durchaus nicht ohne Klamauk, jedoch getragen von schauspielerischem Können. Heute setzt die Comedy eher auf Masse statt Klasse.

Noch in den späten Rollen erkennt man den ‘alten’ Eddi Arent wieder – humorvoll, aber authentisch. Nach längerem körperlichem und seelischem Leiden starb er im Mai dieses Jahres. Nun hat Deutschland nur noch einen Schauspieler dieses ‘unverfälschten’ Schlages: Wolfgang Völz, der fünf Jahre nach Eddi Arent geboren wurde und im selben Haus wie dieser aufwuchs – in Danzig-Langfuhr.

Tilman Asmus Fischer

Erschienen in: „DER WESTPREUSSE – Unser Danzig“, Nr. 8/2013.

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