Auf ein Wort: „Heimat“ – eine Zwischenbilanz

Vor etwa einem Jahr eröffneten einige Landesverbände der Grünen Debatten über den Begriff und die heutige Bedeutung von Heimat. Damit wandten sich die Grünen einem Thema zu, das gerade für die Deutschen aus dem Osten von zentraler Bedeutung ist. Das Vorhandensein nicht zwingend gemeinsamer Positionen, zumindest jedoch gemeinsamer Berührungspunkte in der Fragestellung, sollten wir wahrnehmen und den Dialog suchen! Dass dies möglich ist, zeigt etwa die Fortsetzung der Gespräche zwischen dem BdV in Bayern und der dortigen Landtagsfraktion der Grünen im Mai 2012.

Angesichts solcher positiver Signale entstand im Frühjahr 2012 die Idee, auch unsererseits etwas zur Debatte darüber beizutragen, was Heimat bedeutet und welche aktuell virulenten Themenfelder sich hiermit verbinden, auch über die Geschichte des historischen Ostdeutschlands und der Vertreibung hinaus. Die ersten Ergebnisse dieses Vorhabens konnten Sie in den vergangenen Monaten in der Gesprächsreihe „Heimat-Begegnungen“ verfolgen, die auch in Zukunft fortgesetzt wird.

Insgesamt machen die Gespräche deutlich, dass wir durch „Fortschritt“ und „Modernisierung“ in einer Zeit angekommen sind, in der sich die Bedeutung von „Heimat“ stark wandelt – der Philosoph Karol Sauerland brachte es auf den Punkt: „Wenn etwas verloren geht, wird viel darüber gesprochen“. Wir befinden uns in einer Entwicklung, in der einerseits die (Er)lebbarkeit von Heimat vor ganz neuen Herausforderungen steht: Beschleunigung, Digitalisierung, Veränderung der natürlichen und sozialen Umwelt… Andererseits werden neue Formen gesucht und gefunden, Heimat wiederzubeleben – das machte etwa das Gespräch mit der Unterhaltungskünstlerin Marita Köllner deutlich, die zeigte, wie das regionale Brauchtum in Köln seinen Weg ins 21. Jahrhundert geht. Was aber hat das mit „uns“ zu tun? Vertriebene und Flüchtlinge – aller Nationen – sind auf tragische Weise Experten rund um Heimat und Heimatverlust geworden. Die „Heimat-Begegnungen“ sollen Querverbindungen innerhalb des großen Themenkomplexes „Heimat“ aufzeigen und dazu anregen, dieses Wissen zu vernetzen und für die Allgemeinheit fruchtbar zu machen.

Welchen Weg der Heimat-Diskurs in den vergangenen Monaten aus Sicht der Grünen genommen hat, werden Sie demnächst in dieser Zeitung lesen können, da ein Gespräch mit der Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag, Margarete Bause, erscheinen soll.

Tilman A. Fischer
Bundeskulturreferent der Landsmannschaft Westpreußen

Erschienen in: „DER WESTPREUSSE – Unser Danzig“, Nr. 3/2013.

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